3D-Druckkosten für Modellteile nachvollziehbar kalkulieren
09.10.2026
Eine brauchbare Kalkulation beginnt beim tatsächlich geslicten Materialverbrauch, ergänzt Strom und Ausschuss und trennt diese variablen Kosten von Maschinen- und Arbeitsaufwand. Ein Rechenbeispiel zeigt, wie sich aus eigenen Filamentpreisen und gemessenem Verbrauch ein realistischer Stückpreis ableiten lässt.
Erst den Slicerwert lesen – nicht die Modellmasse schätzen
Bei einem FDM-Modell ist der Slicer der praktikable Startpunkt: Nach dem Slicen zeigt PrusaSlicer die verwendete Materialmenge und die Druckzeit an. Übernehmen Sie für die Kalkulation genau die Werte des Druckprofils, das Sie tatsächlich ausführen wollen. Ändern Sie Ausrichtung, Wandlinien, Füllung oder Stützen, slicen Sie erneut – eine frühere Schätzung passt dann nicht mehr. Notieren Sie Gramm statt nur „eine kleine Spule“; so lässt sich der Stückpreis zwischen mehreren Modellteilen vergleichen. Diese Zahl ist eine Prognose für den geplanten Job, keine Garantie für den fertigen Gegenstand. Fehlversuche, Purge bei Farbwechseln oder Material, das beim Einrichten verloren geht, gehören zusätzlich in eine ehrliche Kalkulation.
Filamentkosten aus Gewicht und Spulenpreis ableiten
Die Grundformel lautet: Materialkosten = tatsächlich angesetzte Gramm ÷ 1.000 × Einkaufspreis je Kilogramm. Für eine sinnvollere Stückkostenrechnung ergänzen Sie einen dokumentierten Zuschlag für Ausschuss und weitere Verbrauchsmittel, statt pauschal jede Druckdauer mit einem beliebigen Betrag zu belegen. Beispiel, ausdrücklich mit angenommenen Zahlen: Eine Spule kostet 24 € je kg; der Slicer veranschlagt 42 g. Das sind 0,042 × 24 € = 1,008 €, gerundet 1,01 € Filament für den geplanten Druck. Rechnen Sie für Ihre Werkstatt zusätzlich beispielhaft 8 g als angesetzten Anteil für Stützen, Purge oder Fehlversuche hinzu, wenn dieser Zuschlag Ihre bisherige Erfahrung mit derselben Arbeitsweise abbildet: 0,050 × 24 € = 1,20 €. Der Zuschlag ist hier eine Rechenannahme, keine allgemeingültige Verlustquote.
Einstellungen verändern den Verbrauch – aber nicht isoliert optimieren
Füllmuster, Fülldichte, Wände und Stützen verändern Verbrauch und Druckdauer. Prusa nennt für adaptive kubische Füllung einen geringeren Materialverbrauch als für rectilineare Füllung. Das ist kein Freibrief, das Muster allein nach Gramm auszuwählen: Ein Modellteil muss seine vorgesehene Funktion erfüllen. Für ein sichtbares Karosserieteil kann die Oberfläche zählen, für eine Halterung eher Steifigkeit und Belastung. Vergleichen Sie deshalb Varianten im Slicer nur bei gleicher Geometrie und prüfen Sie, ob das Teil die benötigte Stabilität behält.
Stromkosten mit eigenem Tarif berechnen
Stromkosten = Energieverbrauch in kWh × eigener Arbeitspreis je kWh. Für die Energieseite ist ein Messgerät an der Steckdose am unmittelbarsten; alternativ können Herstellerangaben zur Leistungsaufnahme zusammen mit der realen Laufzeit eine Näherung liefern. Die Nennleistung ist nicht automatisch die durchschnittliche Aufnahme über den gesamten Druck: Heizbett, Düse und Bewegung laufen nicht dauerhaft unter identischer Last. UltiMaker weist entsprechend auf Leistungsdaten, erwartete Nutzung und lokale Energiepreise hin. Weiteres Beispiel mit ausdrücklich angenommenen Mess- und Tarifwerten: 0,08 kWh × 0,35 €/kWh = 0,028 €, also rund 3 Cent. Das Beispiel ist keine Messung eines bestimmten Druckers. Wer sehr kleine Modellteile fertigt, sollte den Strombetrag nicht künstlich aufblasen; bei langen, beheizten Druckjobs kann er dagegen nennenswerter sein.
Stückpreis vollständig und vergleichbar machen
Für einen vollständigen Stückpreis addieren Sie variable Kosten wie Filament, Strom und tatsächlich eingesetzte Verbrauchsmittel. Soll auch die Wirtschaftlichkeit des Druckers sichtbar sein, verteilen Sie Anschaffung und angesetzte Wartung über eine realistische Zahl erfolgreicher Teile. So sinkt der rechnerische Maschinenanteil je Teil bei höherer Auslastung; bei seltenem Modellbau-Druck bleibt er höher. Eine Kostenrechnung kann neben Material auch Maschinenbesitz und Arbeit umfassen; der Maschinenanteil lässt sich auf die erwartete Stückzahl verteilen. Arbeitszeit sollte separat stehen: Vorbereitung, Einrichten, Stützen entfernen, Schleifen oder Lackiervorbereitung sind praktische Positionen, die Sie mit Minuten × eigenem Stundensatz ausweisen können. Schreiben Sie daher beispielsweise „Druckkosten ohne Arbeitszeit“ oder führen Sie die Arbeitszeit als eigene Zeile. Vergleichen Sie stets gleichartige Angebote: gleicher Werkstoff, gleiche Qualitätsanforderung, ähnliche Ausschussannahme und derselbe Umfang der Nachbearbeitung. Preise aus allgemeinen Herstellerübersichten sind allenfalls Orientierung; Ihr eigener Spulenpreis, Stromtarif und erfolgreicher Materialverbrauch bestimmen die Rechnung.