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Brim oder Raft für schmale Modellbauteile wählen

09.10.2026

Ein Brim verbreitert die erste Schicht direkt am Modell und ist meist der naheliegende erste Versuch bei schmalen Füßen oder kleinen Einzelteilen. Ein Raft trägt das Modell auf einer zusätzlichen Basis und kann bei sehr kleiner oder problematischer Auflage mehr Stabilität bieten, kostet aber zusätzliches Material und muss anschließend abgelöst werden. Die Wahl hängt von Geometrie, Haftung und gewünschter Unterseite ab.

Was Brim und Raft jeweils leisten

Bei einem schmalen Modellfuß ist die Kontaktfläche auf dem Druckbett klein. Ein Brim ergänzt außen am ersten Layer Linien und vergrößert damit dessen Haftfläche, ohne eine eigene Bodenschicht unter das ganze Modell zu legen. Das macht ihn zum sinnvollen Startpunkt für einen schlanken Mastfuß, eine dünne Wand oder mehrere kleine Beschlagteile. PrusaSlicer führt hohe Objekte mit kleiner Basis und mehrere kleine Objekte ausdrücklich als typische Brim-Fälle auf ([Prusa: Skirt und Brim](https://help.prusa3d.com/article/skirt-and-brim_133969)). Ein Raft ist dagegen eine separat gedruckte Basis. In PrusaSlicer wird das Modell dafür um die eingestellte Zahl von Schichten angehoben, während darunter Stützmaterial entsteht. Nach dem Druck wird diese Basis vom Teil abgezogen ([Prusa: Supportmaterial](https://help.prusa3d.com/article/support-material_1698)). Für ein einfaches schmales Bauteil ist das meist mehr Eingriff als nötig; bei unsicherer oder unebener Kontaktfläche kann die zusätzliche Basis jedoch die Auflage vergrößern.

Erst Brim probieren: schmale Füße und kleine Teile

Für ein einzelnes schmales Modellteil ist ein Brim oft die pragmatische erste Wahl: Er verankert den Rand der ersten Lage, während der eigentliche Modellboden weiterhin direkt auf dem Bett liegt. Die UltiMaker-Dokumentation nennt kleine oder dünne Teile als Fälle, bei denen ein Brim den Unterschied zwischen einem gelungenen und einem misslungenen Druck ausmachen kann ([UltiMaker Cura 5.4](https://ultimaker.com/learn/ultimaker-cura-5-4-beta-release-notes/)). Das ist keine Garantie – ein Brim korrigiert weder eine schlecht eingestellte erste Schicht noch eine verschmutzte Druckplatte. Als Startwert empfiehlt Prusa mindestens 3 mm Breite. Das ist ein herstellerspezifischer Richtwert, kein universelles Rezept: Bei einer sehr schmalen Kontur kann ein breiter Rand unnötig Platz belegen, während eine größere Randbreite bei einem kleinen hohen Teil mehr Ankerfläche schafft. Prüfen Sie die Vorschau auf Kollisionen mit Nachbarteilen und auf ausreichend Abstand zum Druckplattenrand.

Wann ein Raft die bessere Wahl sein kann

Greifen Sie zum Raft, wenn die Kontaktfläche selbst problematisch bleibt – etwa bei einem sehr kleinen oder unregelmäßigen Fuß, bei dem ein außen umlaufender Brim kaum eine ausreichend tragfähige Basis schafft. Die Raft-Einstellung bietet eine zusätzliche Fläche unter dem Modell; in PrusaSlicer lässt sich diese Basis außerdem in XY erweitern, was laut Dokumentation ihrer Stabilität dient ([Prusa: Supportmaterial](https://help.prusa3d.com/article/support-material_1698)). Wägen Sie den Vorteil gegen die Nacharbeit ab: Der Raft muss nach dem Druck vom Teil getrennt werden, und die Unterseite liegt dann auf dieser Trennfläche statt unmittelbar auf dem Druckbett. Wenn eine saubere, maßhaltige Unterseite oder ein passgenauer Modellfuß wichtig ist, zuerst Brim und Druckbettkontakt optimieren. Für einen versteckten Sockel oder ein Teil, bei dem die Unterseite später ohnehin bearbeitet wird, kann der Raft eher vertretbar sein.

Entfernung und Maßhaltigkeit mitdenken

Brims lassen sich ebenfalls nicht spurlos versprechen: UltiMaker weist darauf hin, dass sie sich schwierig entfernen lassen können und Materialränder am unteren Teil zurückbleiben können. Eine Abstandsoption zwischen Brim und Modell ist deshalb hilfreich, wenn der Slicer sie anbietet; Prusa beschreibt den Brim-Abstand als Versatz, der das Ablösen erleichtern soll ([Prusa: Skirt und Brim](https://help.prusa3d.com/article/skirt-and-brim_133969)). Ein größerer Abstand kann allerdings auch die Verbindung zum Teil schwächen – beurteilen Sie die Geometrie in der Vorschau und entgraten Sie vorsichtig, statt dünne Modellwände beim Abziehen zu belasten. Bei einem sichtbaren Modellbauteil lohnt sich ein Test am unkritischen Stück oder an einer Kopie: Prüfen Sie, ob der Brim ausreichend haftet und sich ohne Ausbruch lösen lässt. Ein Raft ist kein Ersatz für korrektes Nivellieren, passende Material- und Druckbettparameter oder eine saubere Oberfläche. Ändern Sie deshalb möglichst nur eine Variable auf einmal.

Schnelle Entscheidung

Wählen Sie den Brim für einen schmalen, aber klar umrissenen Fuß, mehrere kleine Teile oder ein hohes Teil, dessen Standfläche verbreitert werden soll. Wählen Sie den Raft, wenn Sie eine eigenständige, erweiterbare Basis unter dem Modell benötigen und zusätzliche Trennarbeit akzeptieren. Beginnen Sie mit einer moderaten Brimweite, kontrollieren Sie die erste Schicht und wechseln Sie erst dann zum Raft, wenn die Geometrie oder Haftung mit dem Brim allein nicht zuverlässig genug erscheint. Das bleibt eine Abwägung nach Bauteil und Druckerprofil, nicht eine feste Materialregel.

Quellen

  1. Prusa Research
  2. Prusa Research
  3. UltiMaker