Dreischienengleis im Modell planen und betrieblich prüfen
09.10.2026
Beim Dreischienengleis liegen drei Schienen so, dass Fahrzeuge zweier Spurweiten denselben Gleisabschnitt nutzen können. Der Beitrag zeigt am Beispiel H0/H0e, wie sich Weichenmaße, Fahrzeugkompatibilität und ein systematischer Probebetrieb in die Planung einbeziehen lassen.
Zuerst den gemeinsamen Laufweg festlegen
Ein Dreischienengleis ist keine bloße optische Mischung zweier Spurweiten: Es muss für die beiden vorgesehenen Fahrzeuggruppen einen durchgehenden, befahrbaren Weg schaffen. Zeichnen Sie deshalb zuerst ein, wo die gemeinsame Strecke beginnt und endet und an welcher Stelle die Spurweiten wieder auseinanderlaufen. Klären Sie auch, welche Zugläufe tatsächlich gemeinsam geführt werden sollen. Die IG Spur II führt dafür einen eigenen Modulstandard M 25 auf und benennt mehrere Spurweitenkombinationen. Das ist ein guter Hinweis für die Planung: Die konkrete Kombination ist Teil der Aufgabe, nicht ein austauschbares Detail.
Weiche samt Abzweig in den Plan übernehmen
Ein reales Produktbeispiel macht deutlich, warum die Weiche früh in die Skizze gehört. TILLIG führt eine H0/H0e-Dreischienenweiche mit 15° Abzweig, 273 mm Radius und 228 mm Länge. Ihre H0- und H0e-Bezeichnungen stehen dort für 16,5 und 9 mm Spurweite im Maßstab 1:87. Übertragen Sie diese Werte nicht pauschal auf andere Fabrikate oder Baugrößen: Prüfen Sie für das konkret gewählte Bauteil Abzweigrichtung, Anschlussgeometrie und Platzbedarf. Zeichnen Sie danach die beiden Fahrwege separat ein. Damit wird sichtbar, ob der Abzweig der schmaleren Spur genau dort entsteht, wo Sie ihn betrieblich benötigen, oder ob ein zusätzliches Ausfädelstück nötig wäre.
Fahrzeuge und Gleis als zusammengehöriges System prüfen
Die Nennspurweite allein beweist noch keine sichere Befahrbarkeit. Die IG Spur II listet Radsatz- und Gleisstandards getrennt vom Standard für Dreischienengleis-Module; die Bauteile und Fahrzeuge müssen also jeweils passend betrachtet werden. Für 9-mm-Gleis beschreibt MOROP eine Lehre zur Prüfung von Radsätzen und Gleisen anhand festgelegter Maße. Die aktuelle Ausgabe dieses Beiblatts ist 2024 und ersetzt die Ausgabe von 2009. Nutzen Sie eine geeignete Lehre für die betreffende Nenngröße, statt nur die Spurweite mit einem Lineal zu kontrollieren. Der Hinweis gilt nicht automatisch für andere Spurweiten: Dafür sind jeweils passende Prüflehren und Normen erforderlich.
Ein kurzer Probebetrieb mit klaren Prüfpunkten
Vor dem endgültigen Einschottern lohnt sich ein provisorischer Aufbau der Weiche und ihrer Anschlussgleise. Fahren Sie die vorgesehenen Fahrzeuge langsam aus beiden Richtungen über den geraden Weg und den Abzweig. Beobachten Sie dabei gezielt, ob Räder an Herzstück und Schienenübergängen sauber geführt werden, ob Kupplungen im Abzweig hängen bleiben und ob Fahrzeuge mit langem Radstand oder großem Überhang störungsfrei durchkommen. Diese Punkte sind praktische Prüfschritte, keine Garantie durch den Weichenradius allein. Bei einem 9-mm-System ergänzt die passende MOROP-Lehre die Sicht- und Fahrprüfung, ersetzt sie aber nicht.
Betriebsabläufe mitplanen
Planen Sie nicht nur die Geometrie, sondern auch die Nutzung: Welche Züge fahren durch, welche verlassen die gemeinsame Strecke, und wo können sie warten, ohne die andere Spur zu blockieren? Bei einer kompakten H0/H0e-Anlage kann eine gemeinsame Zufahrt zu einem Übergabebereich genügen; für einen Bahnhof mit parallelen Bahnsteiggleisen sollten die beiden Fahrwege und ihre Weichenlagen ausdrücklich getrennt gezeichnet werden. Das konkrete TILLIG-Beispiel zeigt, dass eine solche Weiche eine festgelegte Abzweigrichtung und kompakte, aber nicht beliebig kleine Maße hat. Planen Sie darum die Nutzlänge erst, nachdem die Weiche samt geradem und abzweigendem Anschluss im Grundriss steht.