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Gebürstetes Metall auf Kunststoff nachbilden

08.10.2026

Eine gerichtete Schleifstruktur unter Metallic-Lack kann Kunststoff eine matte, schwere Metallanmutung geben. Hier liest du, wie du sie vorbereitest, grundierst und als feinen Bürststrich sichtbar hältst.

Der Strich entsteht im Untergrund

Gebürstetes Metall ist nicht einfach silberner Lack mit ein paar Kratzern. Die feinen, parallelen Spuren verändern, wie das Licht über die Fläche wandert. Auf einem Modell muss die Struktur klein und gleichmäßig bleiben: Tiefe Riefen wirken wie Schleifschäden, ein zufälliges Kreuzmuster wie eine beschädigte Oberfläche. Ein konkreter Ausgangspunkt ist ein kontrollierter Richtungsstrich im Kunststoff selbst. Tamiya zeigt bei einer Silberlackierung, dass ein Schleifschwamm der Körnung 2000, leicht und nur in eine Richtung geführt, vor dem Lack eine matte, schwer wirkende Metallanmutung erzeugen kann. Das ist eine Referenz für den Effekt, kein universelles Rezept für jeden Lack: Farbe, Druck und Licht ändern den Eindruck. [Tamiya: Silberlackierungen und Untergrund](https://tamiya.com/japan/scale/technique/silverpaints/index.html). Entferne zunächst Formtrennnähte und Klebereste, fülle sichtbare Spalten und glätte Reparaturen. Der Bürststrich soll bewusst aussehen und keine Unebenheit kaschieren. Lege die Laufrichtung vor dem Schleifen fest. Bei einer länglichen Geräteblende oder Wartungsklappe wirkt ein Strich entlang der längsten Achse plausibel. Arbeite mit sehr leichtem Druck und langen, überlappenden Zügen. An Kanten besonders sparsam schleifen, damit sich dort keine überbetonten Riefen bilden.

Reinigen und grundieren

Vor dem Lackieren sollte die Fläche von Schleifstaub und Rückständen befreit sein. Alclad fordert eine gründlich saubere Oberfläche ohne Staub, Fett, Öl oder Fingerabdrücke. Das ist besonders wichtig bei reflektierenden Oberflächen, auf denen Verunreinigungen sichtbar bleiben können. [Alclad II: Anwendung auf Kunststoffmodellen](https://alclad2.com/how-to/). Wähle eine Grundierung, die zum Kunststoff und zum Metallic-System passt. Alclad verlangt eine Grundierung für Spritzguss-Kunststoff; der Hersteller warnt außerdem, dass sein reguläres Alclad Polystyrol stellenweise angreifen kann. Die konkret zugelassene Grundierung und die Trocknungsvorgaben hängen vom Produkt ab. Deshalb den Aufbau an einem Gussast oder einem Reststück testen, bevor du ein sichtbares Modellteil lackierst. Eine Grundierung kann außerdem den unregelmäßigen Kunststofffarbton abdecken. Nach dem Auftrag vollständig trocknen lassen und prüfen, ob die gerichtete Schleifstruktur noch fein genug sichtbar ist. Ist die Fläche zugespachtelt oder zu rau geworden, korrigiere sie am Probestück statt am fertigen Modell.

Metallic-Lack dünn und gleichmäßig auftragen

Trage den Metallic-Lack so auf, dass die vorher angelegte Textur nicht unter einer dicken, glänzenden Schicht verschwindet. Bei der Airbrush sind kontrollierte dünne Durchgänge hilfreich; bei Sprühdose oder Pinsel gilt das gleiche Ziel: keine Läufer und keine zugelaufenen Details. Beachte stets die produktspezifischen Angaben zu Abstand, Verdünnung und Trocknungszeit. Bei einem rechteckigen Metallfeld kannst du die Schleifrichtung durchgehend ausrichten und benachbarte Bereiche abkleben. Bei einer schmalen Leiste läuft sie längs. Erst maskieren, wenn der Lackaufbau ausreichend trocken ist, und das Klebeband an einer verdeckten Stelle prüfen. Beurteile die Wirkung nach dem Trocknen aus mehreren Blickwinkeln: Ein Bürststrich zeigt sich über gerichtete Reflexion, nicht durch besonders viel Silber.

Glanzgrad prüfen und Grenzen kennen

Ein gebürstetes Panel soll nicht wie Chrom spiegeln. Beginne deshalb mit einem maßvollen Metallic-Auftrag und vergleiche ihn bei unterschiedlichem Licht. Ist er zu stumpf, kann eine Probe mit feinerer Struktur oder leicht verändertem Glanzgrad helfen; ist er unruhig, die Fläche glätten und mit weniger Druck neu bearbeiten. Die Methode bildet eine optische Metalloberfläche nach; Kunststoff wird dadurch nicht zu Metall. Sie eignet sich etwa für Verkleidungen, Wartungsklappen, Gehäuse oder Innenraumdetails. Für eine Spiegeloptik ist eine Bürststruktur nicht das passende Ziel. Auch Grundierung ist kein Freibrief für beliebige Lackkombinationen: Tamiya nennt als Zweck seines grauen Surface Primers unter anderem, das Abblättern des Decklacks zu vermindern. Die Verträglichkeit des gesamten Schichtaufbaus muss trotzdem zum gewählten Produkt passen. [Tamiya: Surface Primer L für Kunststoff und Metall](https://www.tamiya.com/english/products/87042/index.html). Arbeitsfolge: Oberfläche ebnen, Richtung festlegen, sanft einseitig schleifen, reinigen, grundieren, Metallic-Lack auftragen und das Ergebnis am Probestück bei echtem Betrachtungslicht kontrollieren.

Quellen

  1. Tamiya
  2. Alclad II
  3. Tamiya