Gleisabstände im Bogen mit der passenden NEM prüfen
09.10.2026
NEM 112 liefert Mindestabstände für parallele Gleise im Bogen. Entscheidend sind der Radius des inneren Gleises, die Nenngröße und die Fahrzeuggruppe; zusätzlich müssen Sie das Lichtraumprofil aus NEM 103 getrennt prüfen.
Nicht den geraden Abstand in den Bogen verlängern
Ein paralleler Gleisverlauf kann auf der Geraden problemlos wirken und sich im Bogen trotzdem als zu eng erweisen. Wagen schwenken aus; der seitliche Platzbedarf hängt unter anderem von Radius und Fahrzeugabmessungen ab. Für die Planung ist NEM 112 der richtige Ausgangspunkt: Das MOROP-Verzeichnis kennzeichnet sie als Empfehlung, Ausgabe 2024. Ihre Tabellenwerte sind Gleismittenabstände, nicht der freie Zwischenraum zwischen Schienen oder Fahrzeugseiten. Darum zuerst im Plan die beiden Gleisachsen bestimmen und nicht an einer Schienenkante messen.
Drei Angaben vor dem Tabellenblick
Lesen Sie die NEM-112-Tabelle in dieser Reihenfolge: Nenngröße, Radius des inneren Gleisbogens und passende Fahrzeuggruppe. Der Radius meint ausdrücklich den inneren der beiden parallelen Gleisbögen; die Tabelle ist nicht einfach eine Pauschalzugabe zur Geraden. Für ein H0-Beispiel mit 500 mm Innenradius liefert die Zeile für Gruppe B 55 mm Gleismitte zu Gleismitte. Das ist der zu vergleichende Mindestwert. Die Gruppen A, B und C werden in der Ausgabe 2024 mit NEM 301 verknüpft. Prüfen Sie deshalb Ihre vorgesehenen Fahrzeuge gegen diese Einteilung, statt allein aus der Bezeichnung eines Wagens oder aus dem Gleissystem auf die Gruppe zu schließen. Wenn der Bestand unterschiedliche Fahrzeuge umfasst, muss die Planung den tatsächlich maßgebenden Fahrzeugpark abbilden.
Abstand rechtzeitig am Bogenanfang herstellen
Der Mindestabstand ist nicht erst irgendwo im Kreisbogen zu erreichen: NEM 112 verlangt ihn bereits vollständig am Bogenanfang. Praktisch heißt das, die Achsen vor dem Kreisbogen kontrolliert auseinanderzuführen und die nötige Weite am Eintritt in den Bogen erreicht zu haben. Im genannten H0-Beispiel bedeutet ein geplanter Achsabstand von 52 mm: Für Gruppe B und 500 mm Innenradius fehlen 3 mm. Diese Differenz ist eine einfache Planprüfung, keine Aussage, dass jedes reale Fahrzeug mit jedem Maß sicher vorbeikommt. Achten Sie auch darauf, dass die Annäherung an den Bogen räumlich in den Gleisplan passt.
Lichtraumprofil separat prüfen
Gleisabstand und Lichtraumprofil hängen zusammen, sind aber nicht dieselbe Prüfung. NEM 103 behandelt die seitliche Erweiterung des lichten Raums im Bogen; sie verweist für den Abstand zwischen den Gleisen auf NEM 112. Ein passender NEM-112-Wert ersetzt also nicht die Prüfung, ob Fahrzeuge, benachbarte Bauwerke, Bahnsteige oder andere Hindernisse innerhalb des erforderlichen lichten Raums liegen. Kontrollieren Sie beides: zuerst den Mindestabstand der Gleisachsen, dann das Profil entlang der Innen- und Außenseite des Bogens.
Tabellenwerte mit Augenmaß anwenden
NEM 112 ist eine Empfehlung und damit ein Planungsmaßstab, keine Garantie für jede Kombination aus Fahrzeug, Gleis und Einbau. Nehmen Sie den Tabellenwert deshalb als Mindestmaß für die jeweils angenommene Nenngröße, den Radius und die Fahrzeuggruppe. Bei knappen Radien sollten Sie zusätzlich die einschlägige NEM zu Mindestradien heranziehen. Dokumentieren Sie im Gleisplan den verwendeten Radius, die angenommene Fahrzeuggruppe und den Tabellenabstand. So lässt sich später nachvollziehen, warum der Abstand gewählt wurde und welche Fahrzeuge die Planung voraussetzt.