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Großsegel und Fock am RC-Segelboot gemeinsam trimmen

09.10.2026

Ein praxistauglicher Ablauf für den gemeinsamen Segeltrimm: erst die Grundform einstellen, dann am Wasser Fock und Großsegel aufeinander abstimmen und bei wechselndem Wind nachjustieren.

Zwei Segel, ein Trimm

Großsegel und Fock lassen sich nicht sinnvoll als zwei unabhängige Flächen behandeln. Am Wind beeinflusst die Stellung der Fock den Luftstrom zum Großsegel; entscheidend ist deshalb, ob beide Segel zusammen Fahrt erzeugen und ob das Boot auf Kurs bleibt. Die Model Yachting Association (MYA) empfiehlt, die Segel im Luvtest gemeinsam zu beurteilen: Im Idealfall beginnen beide annähernd gleichzeitig zu flattern. [MYA: Segeltrimm vor dem Wasser](https://www.mya-uk.org.uk/kb/sail-trimming-before-going-afloat/) Als Ausgangspunkt kann die Fock etwas flacher stehen als das Großsegel. Bei am Wind dichtgeholten Segeln steht der Großbaum nahe der Mittschiffslinie, während der Fockbaum etwas weiter geöffnet bleibt. Das sind Startwerte, keine universellen Millimetermaße: Schnitt, Rigg, Wind und Bootsklasse ändern den passenden Winkel. [MYA: Segeltrimm – Roger Stollery](https://www.mya-uk.org.uk/sail-trimming-by-roger-stollery/)

Erst an Land eine reproduzierbare Basis schaffen

Schalten Sie Sender und Boot ein, ziehen Sie die Schoten in die vorgesehene Amwindstellung und kontrollieren Sie, ob die Bäume frei laufen und sich nirgends verhaken. Stellen Sie dann die Grundform ein: Die Fock soll nicht voller als das Großsegel sein. Vergleichen Sie die tiefste Stelle der Wölbung und nicht nur den Bereich direkt am Baum; ein Segel kann dort konstruktionsbedingt relativ flach aussehen. Stellen Sie den Twist zunächst am Großsegel ein – beim üblichen Rigg etwa über Niederholer/Kicker oder den dafür vorgesehenen Trimmweg. Danach passen Sie den Focktwist an, zum Beispiel über die Achterliekleine. Die MYA nennt für moderaten Wind eine grobe Großsegel-Orientierung von etwa 1:40, betont aber zugleich die Anpassung an Wind und Rigg; übernehmen Sie diese Zahl daher nicht blind auf jedes Modell. [MYA: Segeltrimm vor dem Wasser](https://www.mya-uk.org.uk/kb/sail-trimming-before-going-afloat/)

Am Ufer den Luvtest durchführen

Stellen Sie das Boot in eine stabile Amwindstellung und drehen Sie den Bug langsam weiter in den Wind. Beobachten Sie, welches Segel zuerst anluvt oder flattert. Wenn beide ungefähr zusammen reagieren, ist die Abstimmung ein brauchbarer Ausgangspunkt; wiederholen Sie den Test nach jeder kleinen Änderung. Flattert zuerst das Großsegel, öffnen Sie den Slot vorsichtig: geben Sie etwas Fockschot frei oder verändern Sie die Achterliekleine, sofern Ihr Rigg diese Einstellung hat. Alternativ kann ein flacheres Großsegel helfen. Ändern Sie jeweils nur eine Sache und testen Sie erneut. Wenn die Vorderkante beider Segel zuerst unruhig wird, ist nicht automatisch die Fock schuld – die MYA rät dann, die Segelwölbung insgesamt zu verringern. [MYA: Segeltrimm – Roger Stollery](https://www.mya-uk.org.uk/sail-trimming-by-roger-stollery/)

Windfäden und Bootsfahrt zusammen lesen

Am Wasser ergänzen Windfäden die Luvprobe. Fäden an der Fockvorderkante zeigen, ob die Anströmung auf beiden Seiten sauber anliegt: gleichmäßig nach achtern streichende Fäden sind ein nützlicher Hinweis, während ein flatternder luvseitiger Faden Anlass sein kann, die Fock etwas dichter zu holen. Steuern Sie dabei nicht gleichzeitig aggressiv in den Wind; sonst ist schwer zu erkennen, ob die Änderung von der Schot oder vom Kurs kommt. [US Sailing: Jib and Mainsail Trim](https://www.ussailing.org/news/jib-and-mainsail-trim-how-telltales-work/) Beurteilen Sie außerdem die Fahrt des Modells. Direkt nach einer Wende braucht es oft etwas Zeit, wieder Geschwindigkeit aufzubauen; in leichtem, drehendem Wind kann ein geringfügig offeneres Segel besser sein als ein dauerhaft maximal dichtgeholtes. Dreht der Wind, prüfen Sie erst den Kurs und die Windanzeiger, ehe Sie den Grundtrimm verstellen.

Korrekturen nach Wind und Rigg dosieren

Ein zu eng geschlossener Slot kann das Boot am Wind kraftlos wirken lassen. Ein zu offener Slot ist aber ebenfalls nicht automatisch schneller: Ziel ist keine möglichst große Lücke, sondern eine Fock, deren Achterliek das Großsegel nicht abdeckt oder sichtbar stört. [MYA: Segeltrimm vor dem Wasser](https://www.mya-uk.org.uk/kb/sail-trimming-before-going-afloat/) Ändert sich die Windstärke, betrachten Sie Twist und Wölbung erneut. Die MYA beschreibt mehr Twist sowohl in leichtem als auch sehr starkem Wind als mögliche Einstellung; bei stärkerem Wind wird die Segelform meist flacher gewählt. Für ein konkretes Boot gelten jedoch die Anleitung des Konstrukteurs und die Klassenregeln vor allgemeinen Richtwerten. Konventionelles Rigg und Swingrigg bieten außerdem unterschiedliche Stellmöglichkeiten. Notieren Sie funktionierende Einstellungen pro Rigg und Bedingungen, damit Sie beim nächsten Segeln an einer bekannten Basis beginnen. [MYA: Segeltrimm – Roger Stollery](https://www.mya-uk.org.uk/sail-trimming-by-roger-stollery/)

Quellen

  1. Model Yachting Association Great Britain
  2. Model Yachting Association Great Britain
  3. US Sailing