Kleine Gewinde in Modellbauteilen herstellen
08.10.2026
Ein kleines Innengewinde wird zuverlässig, wenn Gewindegröße und Kernloch zusammenpassen, das Werkstück sauber vorbereitet ist und der Gewindebohrer gerade geführt wird. Am Beispiel M2 zeigt sich die einfache Kernloch-Faustformel; für Durchgangs- und Sacklöcher ist außerdem die passende Werkzeuggeometrie wichtig.
Wofür sich Kleingewinde lohnen
Ein kleines Innengewinde ist praktisch, wenn eine Abdeckung, Halterung oder ein Beschlag wieder lösbar sein soll. Gegenüber einer eingeklebten Verbindung lässt sich die Schraube herausnehmen und wieder einsetzen. Entscheidend ist, das Gewinde passend zur Schraube anzulegen: Schon bei kleinen Durchmessern machen ein schräger Ansatz oder ein unpassendes Kernloch die Montage unnötig schwierig. RUKO beschreibt das Innengewinde als Voraussetzung für die Schraubverbindung und führt die Vorbereitung des Kernlochs als ersten Arbeitsschritt auf ([RUKO: Innengewinde in drei Schritten](https://ruko.de/de/wissen/how-to/wie-schneide-ich-ein-innengewinde-in-3-schritten/)).
Gewinde und Kernloch abstimmen
Zuerst Gewindenorm, Nenndurchmesser und Steigung der vorgesehenen Schraube feststellen. Bei metrischen Gewinden liefert die einfache Rechnung Nenndurchmesser minus Steigung einen brauchbaren Startwert für das Kernloch. Beispiel: Für M2 × 0,4 ergibt sich 2,0 − 0,4 = 1,6 mm. Das ist eine Faustformel, keine Erlaubnis, irgendeinen Bohrer zu nehmen: Für die tatsächliche Gewindeausführung die Kernloch-Tabelle des Werkzeugherstellers heranziehen, besonders wenn ein spezieller Gewindebohrer oder ein anderer Gewindetyp verwendet wird. RUKO erläutert die Rechnung am Beispiel M8; die Auswahl des Handgewindebohrers ist zudem abhängig von Gewindeart und Nenndurchmesser ([RUKO-Anleitung](https://ruko.de/de/wissen/how-to/wie-schneide-ich-ein-innengewinde-in-3-schritten/), [RUKO-Handgewindebohrer](https://ruko.de/de/produkte/handgewindebohrer/)).
Bohrung sauber vorbereiten
Das Bauteil sicher und möglichst plan aufspannen, die Bohrungsmitte markieren und das Kernloch gerade bohren. Ein scharfes, zur Tabelle passendes Bohrwerkzeug und eine ruhige Führung zählen bei kleinen Durchmessern besonders. Eine leichte Fase am Bohrungseingang hilft, den Gewindebohrer anzusetzen; sie darf aber nicht so groß ausfallen, dass am Bauteil unnötig viel Material verschwindet. RUKO empfiehlt für den Arbeitsschritt einen Kegelsenker und beschreibt die Fase als Hilfe beim Anschneiden ([RUKO-Anleitung](https://ruko.de/de/wissen/how-to/wie-schneide-ich-ein-innengewinde-in-3-schritten/)).
Mit Handgewindebohrer schneiden
Das Werkstück festhalten, einen passenden Handgewindebohrer in das Windeisen spannen und ihn senkrecht zur Oberfläche ansetzen. Bei einem mehrteiligen Satz die Reihenfolge der Werkzeuge beachten; die einzelnen Stufen verteilen den Materialabtrag. Gleichmäßig mit geringer Kraft drehen und bei zunehmendem Widerstand nicht mit Gewalt weiterdrehen: Bei einem Kleingewinde kann der Bohrer leicht brechen. Ein Anschlagwinkel oder eine senkrechte Referenzfläche hilft, die Ausrichtung während des ersten Anschnitts zu kontrollieren. RUKO beschreibt sowohl Windeisenführung als auch den schrittweisen Einsatz klassischer Handgewindebohrersätze ([RUKO-Handgewindebohrer](https://ruko.de/de/produkte/handgewindebohrer/)).
Durchgangsloch oder Sackloch?
Ein Durchgangsloch reicht durch das ganze Bauteil; ein Sackloch endet im Material. Diese Unterscheidung ist beim Werkzeug wichtig: Gewindebohrer für Durchgangslöcher können einen längeren Anschnitt haben, weil ihre Spitze am Ende austreten kann. Beim Sackloch ist die nutzbare Gewindetiefe kleiner als die Gesamttiefe der Bohrung, denn Werkzeugspitze und Spanraum brauchen Platz. Daher die benötigte Gewindetiefe vor dem Bohren planen und den passenden Gewindebohrer auswählen. Gühring erklärt den Unterschied der Anschnittgeometrie für Durchgangslöcher ([Gühring: Gewindebohrer für Durchgangslöcher](https://guehring.com/faq/gewindebohrer-durchgangsloch/)).
Prüfen und Grenzen einplanen
Nach dem Schneiden Späne entfernen und die vorgesehene Schraube von Hand ansetzen. Sie sollte ohne Verkanten greifen und sich über den geschnittenen Bereich drehen lassen; bei Widerstand nicht mit der Schraube ein neues Gewinde erzwingen. Ein Gewinde ist nur so zuverlässig wie die umgebende Wandstärke und das Material. Bei sehr dünnen Wandungen, häufigem Zerlegen oder hoher Belastung sollte die Konstruktion eine geeignetere Verbindung vorsehen, etwa eine separate Mutter oder eine dafür konstruierte Gewindebuchse. Die Faustformel zum Kernloch ersetzt weder die Werkzeugtabelle noch eine Prüfung der konkreten Bauteilgeometrie.