Neue Modellfarben auf einer eigenen Farbkarte dokumentieren
08.10.2026
Eine eigene Farbkarte macht Modellfarben direkt vergleichbar und hält fest, wie ein Farbton unter den eigenen Lackierbedingungen wirkt. Mit Muster, Farbcode, Oberfläche und Auftrag bleibt die Auswahl auch später nachvollziehbar.
Warum eine eigene Farbkarte hilft
Herstellerkarten und Umrechnungstabellen sind nützliche Startpunkte, ersetzen aber nicht das Muster, das du tatsächlich auf deinem Modell verwenden willst. Tamiya beschreibt seine Farben als geeignet, große Flächen per Airbrush zu lackieren und feine Details herauszuarbeiten ([Tamiya](https://www.tamiya.com/japan/newstopics/2017/1116lacquer_paint/index.html)); AK Interactive stellt unter anderem Umrechnungstabellen bereit ([AK Interactive](https://ak-interactive.com/es/descargas-gratuitas-2/)). Eine eigene Karte beantwortet die praktischere Frage: Wie sieht genau dieser Farbton aus, wenn ich ihn mit meinem Pinsel oder meiner Airbrush und meinem üblichen Aufbau auftrage? Lege deshalb nicht nur eine Sammlung bunter Felder an. Gestalte sie als kleines Lackierprotokoll, das du beim nächsten Modell wieder aufschlagen kannst.
Träger und Raster vorbereiten
Nimm stabile Karten oder Kunststoffplättchen, die sich beschriften und aufbewahren lassen. Teile jedes Musterfeld in zwei Bereiche: eine größere, gleichmäßig lackierte Fläche für den Gesamteindruck und einen schmalen Streifen, auf dem Grundierung oder eine zweite Schicht sichtbar wird. So erkennst du, ob der Untergrund durchscheint oder der Auftrag den Ton verändert. Ordne die Felder nach Hersteller und Produktreihe, nicht nur nach Farbfamilie. Lasse Platz für spätere Ergänzungen und nummeriere Vorder- und Rückseite gleich. Die Beschriftung kommt auf die Rückseite oder an den Rand, damit sie das Farbfeld nicht verfälscht.
Jede Probe unter gleichen Bedingungen auftragen
Für einen brauchbaren Farbvergleich müssen die Muster möglichst gleich behandelt werden. Verwende denselben Träger und dieselbe Grundierung wie beim Modell. Rühre die Farbe sorgfältig auf und notiere, ob du sie verdünnt hast, womit und in welchem Mischungsverhältnis. Bei der Airbrush halte Abstand, Druck und Anzahl der dünnen Durchgänge konstant; beim Pinsel trage alle Muster ähnlich breit und gleichmäßig auf. Lass die Proben vollständig trocknen, bevor du sie beurteilst. Glanz und Farbwirkung direkt nach dem Auftrag können sich vom trockenen Eindruck unterscheiden. Bei Lacken mit mehreren dünnen Spritzgängen orientiert sich die Probe an Tamiyas empfohlener Methode für die entsprechende Produktlinie ([Tamiya](https://www.tamiya.com/japan/newstopics/2017/1116lacquer_paint/index.html)). Halte auch die Trocknungszeit bis zur Betrachtung fest, statt frische und ältere Proben unmittelbar gegeneinander zu halten.
Was auf dem Etikett stehen sollte
Eine kompakte, aber vollständige Kennzeichnung erspart späteres Rätselraten: Hersteller, Produktreihe, Farbcode und Farbname gehören auf jede Probe. Ergänze Glanzgrad, Untergrund oder Grundierung, Auftragstechnik, Verdünnung und Datum. Bei gemischten Tönen notiere die Bestandteile und das Verhältnis, etwa „3 Tropfen Olivgrün + 1 Tropfen Sandgelb“ – und markiere es ausdrücklich als eigene Mischung, nicht als Herstellerreferenz. Ein Beispiel für die Detailtiefe ist AK Interactive RLM 65 (1941): Die [Produktseite](https://ak-interactive.com/product/rlm-65-1941-2/) nennt den Code RC936 und ordnet die Farbe einer konkreten historischen Farbkarte zu. Auf der eigenen Karte werden solche Hinweise nicht zum Ersatz für das Muster, sondern helfen, es eindeutig wiederzufinden.
Farben vergleichen, ohne zu viel hineinzuinterpretieren
Lege ähnliche Töne nebeneinander und betrachte sie bei gleichmäßiger Beleuchtung. Drehe die Karte auch einmal, wenn Metallic- oder Glanzfarben dabei sind: Der Blickwinkel kann den Eindruck ändern. Vergleiche Muster mit identischer Grundierung und demselben Finish; andernfalls kann der Unterschied vom Aufbau statt vom Pigment stammen. Für Tarnfarben oder Bauplanangaben können die Hersteller-Umrechnungstabellen Kandidaten liefern, die du dann auf deiner Karte nebeneinander prüfst. Eine Farbkarte ist kein universelles Messgerät und garantiert keine exakte Übereinstimmung mit einer gedruckten Referenz oder einem Originalfarbton. Sie dokumentiert deinen Auftrag unter definierten Bedingungen. Bei einem neuen Farbglas oder einer veränderten Verdünnung legst du eine neue Probe an, statt eine alte Karte als unveränderliche Wahrheit zu behandeln.
Karte pflegen und erneut nutzen
Bewahre die Muster staubfrei und lichtgeschützt auf; ein Ringordner oder eine kleine Box hält sie nach Farbfamilien sortiert. Wenn du eine Farbe ersetzt oder neu ansetzt, behalte die frühere Probe und kennzeichne sie als ältere Charge, statt sie stillschweigend zu übermalen. Ergänze auf der Rückseite, bei welchem Modell oder Farbschema du sie verwendet hast. Damit wird aus der Sammlung mit der Zeit ein persönliches Nachschlagewerk: Herstellerkarten helfen beim Finden möglicher Alternativen, während deine eigene Farbkarte zeigt, was bei deinem Material- und Lackieraufbau tatsächlich herauskommt.