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Oberleitung über Weichenstraßen geometrisch planen

09.10.2026

Eine Weichenstraße ist kein einzelner Fahrdrahtverlauf, sondern ein Bündel möglicher Fahrwege. Wer die Gleisachsen einzeln aufnimmt, den Drahtverlauf je Abzweig prüft und den seitlichen Versatz des Stromabnehmers berücksichtigt, plant nachvollziehbar statt nach Augenmaß.

Erst die Fahrwege, dann die Masten

In einer Weichenstraße liegen mehrere Gleisachsen dicht beieinander, aber sie bilden nicht automatisch eine gemeinsame Oberleitungslinie. Zeichnen Sie deshalb zuerst jeden möglichen Fahrweg separat in den Gleisplan: Stammgleis, abzweigendes Gleis und die anschließenden Parallelgleise. Markieren Sie dabei die Stellen, an denen der Zug tatsächlich von einer Achse auf die andere übergeht. Das ist mehr als eine zeichnerische Hilfe. Die MOROP-Norm NEM 201 behandelt die Lage des Fahrdrahts und setzt sie in Beziehung zum Abstand der Stützpunkte. Für die Planung heißt das: Mastpositionen nicht unabhängig von der Drahtlinie festlegen. [NEM 201](https://www.morop.eu/images/NEM_register/NEM_E/nem201_en_2017.pdf)

Gleisachsen statt Weichenwinkel übertragen

Übertragen Sie die Gleismitten aus dem tatsächlichen Gleisplan auf Transparentpapier oder eine maßstäbliche Zeichnung. Ein Weichenwinkel allein sagt noch nicht, wo der Fahrdraht am Ende des Abzweigs liegen muss: Entscheidend ist die Folge aus geradem Abschnitt, Bogen und neuer Gleisachse. Verbinden Sie daher die Drahtpunkte entlang des gewählten Fahrwegs mit einer ruhigen Linie, bevor Sie Tragseil, Ausleger oder Maststandorte einzeichnen. Bei konfektionierten Systemen gehört die Drahtlänge zur Geometrie. Viessmann ordnet unterschiedliche H0-Fahrdrahtlängen den gängigen Gleissystemen zu. Das ist ein guter Hinweis, beim Übertragen eines Plans nicht nur nach Nenngröße, sondern nach dem konkret verwendeten Gleissystem und dessen Gleismittenmaß zu arbeiten. [Viessmann H0-Oberleitung](https://www.viessmann-modell.com/sortiment/spur-h0/oberleitung/)

Abzweige als getrennte Drahtläufe prüfen

Eine praktische Methode ist, jeden Fahrweg in einer eigenen Farbe nachzuzeichnen. Prüfen Sie am Weichenanfang, im Bereich der Zungen und am Ende des Abzweigs, ob die vorgesehene Drahtlinie über dem jeweiligen Gleis bleibt. Eine Drahtlinie, die für das Stammgleis passt, muss nicht zugleich die passende Linie für das abzweigende Gleis sein. Planen Sie die Stützpunkte erst an den Übergängen zwischen den Abschnitten ein. Wo zwei Linien auseinanderlaufen, können Sie nicht einfach den Verlauf des Stammgleises verlängern und annehmen, er decke den Abzweig mit ab. Das ist eine geometrische Planungsregel, keine universelle Vorgabe für ein bestimmtes Oberleitungssystem: Die Befestigungen und Verbindungsteile sind nach dem jeweiligen Herstellerprinzip auszubilden. NEM 201 beschreibt die Lage des Drahts sowie die Beziehung der Stützpunkte dazu; sie liefert keine bausatzübergreifende Weichen-Schablone. [NEM 201](https://www.morop.eu/images/NEM_register/NEM_E/nem201_en_2017.pdf)

Seitliche Lage des Stromabnehmers mitdenken

Der Fahrdraht muss nicht nur über der Schienenmitte betrachtet werden. Der Stromabnehmer kann beim Durchfahren einer Kurve seitlich gegenüber dem Fahrzeug und seinen Führungspunkten versetzt sein. NEM 201 unterscheidet breite und schmale Anwendungsfälle; die dort genannten Abweichungen sind betriebliche Grenzen, nicht automatisch die anzustrebende Auslenkung auf einer Modellbahn. [NEM 201](https://www.morop.eu/images/NEM_register/NEM_E/nem201_en_2017.pdf) Für eine Weichenstraße bedeutet das: Betrachten Sie jeden Bogen und den Übergang in den Abzweig gemeinsam. Ein Fahrzeug, dessen Stromabnehmer ungünstig überhängt, kann einen Draht berühren, obwohl die Drahtlinie auf dem Gleisplan mittig wirkt. Die MOROP nennt bei Kurvenproblemen unter anderem enger gesetzte Masten, berechnet mit kleinerem seitlichem Versatz, als mögliche Abhilfe. [NEM 202](https://www.morop.eu/images/NEM_register/NEM_E/nem202_en_2017_20181030.pdf)

Ein Beispiel für eine einfache Weichengruppe

Nehmen wir eine einzelne Weiche, deren abzweigendes Gleis nach einem Bogen parallel zum Nachbargleis läuft. Zeichnen Sie drei Linien: den Stammgleisweg, den Abzweig und das Nachbargleis. Legen Sie für jeden Weg zunächst einen plausiblen Fahrdrahtverlauf fest und markieren Sie, wo ein gemeinsamer Mast mehrere Ausleger tragen könnte. Erst danach wählen Sie Drahtlängen und Ausleger aus dem System, das Sie verwenden. Kontrollieren Sie anschließend die Geometrie aus Sicht des fahrenden Modells: Fahren Sie den längsten und den kürzesten vorgesehenen Stromabnehmer über die Weiche, möglichst in beiden Richtungen und auf beiden Wegen. Achten Sie auf den Moment, in dem der Schleifer von einem Drahtabschnitt zum nächsten übergeht. Die Normen liefern dafür Lage- und Betriebsbezüge; konkrete mechanische Freiräume an einer bestimmten Weiche müssen Sie jedoch mit Ihrer Gleisgeometrie und dem gewählten Material selbst prüfen.

Vor dem Bohren eine Probefahrt machen

Markieren Sie Maststandorte zunächst ablösbar auf der Anlagenplatte. Führen Sie dann die Lok mit angehobenem Stromabnehmer langsam über Stammgleis und Abzweig. Prüfen Sie dabei nicht nur, ob der Schleifer Kontakt halten kann, sondern auch, ob er an einem Übergang nicht seitlich aus der Drahtführung gerät. Wiederholen Sie die Kontrolle für verschiedene Fahrzeuge, falls Ihre Flotte unterschiedliche Stromabnehmerformen hat. Wenn die Geometrie an einer Stelle nicht funktioniert, verändern Sie immer nur einen Parameter: Drahtlinie, Mastposition oder seitlichen Versatz. Ein dichterer Mastabstand kann laut NEM 202 helfen, ist aber keine Garantie für jede Kombination aus Fahrzeug, Weichenform und Oberleitungssystem. Erst nach dieser Probe sollten die Befestigungen endgültig gesetzt werden.

Quellen

  1. MOROP – Verband der Modelleisenbahner und Eisenbahnfreunde Europas
  2. MOROP – Verband der Modelleisenbahner und Eisenbahnfreunde Europas
  3. Viessmann Modelltechnik