Radläufe einer RC-Karosserie für vollen Federweg freistellen
09.10.2026
Ein Radlauf muss nicht nur im Stand passen: Prüfe Reifenfreiheit bei eingefederter Achse und vollem Lenkeinschlag, markiere den nötigen Ausschnitt am montierten Modell und arbeite dich in kleinen Schritten an die endgültige Kontur heran.
Warum der Radlauf im Stand täuschen kann
Ein Reifen, der bei normaler Fahrhöhe sauber im Radhaus steht, kann beim Einfedern an der Karosserie schleifen oder sich unter eine Kante ziehen. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Lücke im Stand, sondern die Kombination aus Reifen, Lenkung und dem tatsächlich möglichen Federweg. Traxxas empfiehlt bei einer Umbau-Anleitung mit größeren Reifen, die Federung vollständig zu komprimieren, um den benötigten Ausschnitt einzuschätzen. Das Prinzip lässt sich auf eine neue oder umgerüstete RC-Karosserie übertragen; die nötige Öffnung hängt aber von Reifenform, Radstand, Spurweite und Karosserie ab.
Karosserie zuerst montieren und Bewegungsraum prüfen
Setze die Karosserie auf die vorgesehenen Halter und sichere sie in ihrer späteren Position. Prüfe jedes Rad einzeln: Drücke die jeweilige Ecke des Chassis so weit ein, dass der Reifen im Radhaus nach oben wandert. Vorn kommt der volle Lenkeinschlag nach links und rechts hinzu. Kontrolliere dabei nicht nur den oberen Bogen, sondern besonders die Bereiche vor und hinter dem Reifen, an denen eine nach innen gezogene Kontur den Reifen erfassen kann. Bei einer Starrachse oder einem Crawler kann eine diagonale Verschränkung anders aussehen als das gleichzeitige Einfedern beider Räder; deshalb ist eine Prüfung pro Ecke sinnvoll. Traxxas empfiehlt nach dem Zuschnitt, die Karosserie wieder aufzusetzen und die Arbeit zu kontrollieren.
Kontur markieren und stufenweise Material abnehmen
Markiere bei montierter Karosserie die Reifenposition und zunächst nur den Bereich, der bei der Bewegungsprüfung tatsächlich Kontakt bekommt. Schneide nicht sofort eine großzügige Kreisöffnung aus: Ein zu großer Ausschnitt lässt sich nicht rückgängig machen und kann die Optik oder Stabilität beeinträchtigen. Arbeite stattdessen abschnittsweise mit Lexanschere oder einem geeigneten Schneidwerkzeug, setze die Karosserie wieder auf und wiederhole die Prüfung. Traxxas fasst das Vorgehen als zweimaliges Messen vor dem Schnitt zusammen. HPI empfiehlt bei Rennbetrieb zusätzlich, am hinteren Bereich des hinteren Radhauses etwas Material herauszunehmen und die Öffnung dort gerade nach unten zu führen, damit sich die Karosserie bei einem Kontakt nicht unter den Reifen ziehen kann. Das ist eine situationsabhängige Formgebung, keine universelle Pflichtkontur.
Saubere Kanten statt scharfer Kerben
Bei dünnem Polycarbonat ist ein sauberer Verlauf wichtig. Axial beschreibt sowohl langsames Ausschneiden mit Scheren als auch Anritzen und Abbrechen entlang einer Markierung. Für die zweite Methode warnt die Anleitung ausdrücklich davor, den überschüssigen Kunststoff vom Körper wegzuziehen: Das kann einen Riss quer durch die Karosserie verursachen. Wenn du die Ritzmethode nicht sicher beherrschst oder die Radhauskurve eng ist, bleib bei kurzen, kontrollierten Schnitten mit einer passenden Karosserieschere. Entferne nach dem Schnitt Grate und Unebenheiten; Axial nennt dafür eine Schleiftrommel am Rotationswerkzeug. Übe die Methode an einem Reststück, falls du mit dem Material oder Werkzeug noch nicht vertraut bist.
Abschlusskontrolle nach dem Freistellen
Setze die Karosserie abschließend wieder auf, bewege die Räder durch den relevanten Federweg und lenke vorn von Anschlag zu Anschlag. Nichts darf den Reifen festhalten oder sichtbar gegen ihn drücken. Prüfe die linke und rechte Seite getrennt, denn eine Karosserie kann nicht exakt mittig sitzen. Falls es noch Kontakt gibt, nimm nur an dieser Stelle weiter Material ab und kontrolliere erneut. HPI nennt ein geglättetes Radhaus als Teil des Zuschnitts; die genaue Rundung und Größe bleiben jedoch vom Modell und Einsatzzweck abhängig. Bei einer Karosserie mit vorgegebenen Herstellerlinien sind diese eine hilfreiche Ausgangslage, aber der Probelauf am eigenen Chassis entscheidet über die tatsächlich nötige Freigängigkeit.