Radsatzinnenmaß bei Entgleisungen prüfen: Spurmaß und Weichen
09.10.2026
Bei Entgleisungen an derselben Weiche lohnt der Blick auf den Radsatz: In H0 nach NEM 310 liegt das Innenmaß B bei 14,4 bis 14,6 mm. Entscheidend ist aber das Zusammenspiel mit Spurkranz und Herzstückgeometrie.
Erst das Muster der Entgleisung festhalten
Wenn ein Fahrzeug wiederholt an derselben Stelle aus dem Gleis läuft, notiere zuerst den Ort und die Fahrtrichtung: Gerade, Kurve, Weichenzunge oder Herzstück. Entgleist ein einzelner Wagen überall, ist dessen Radsatz ein naheliegender Prüfpunkt; häufen sich die Vorfälle an nur einer Weiche, muss auch das Gleis geprüft werden. Das ist eine Diagnose-Reihenfolge, kein Beweis für eine bestimmte Ursache. Gerade am Herzstück hängen Fahrzeug- und Weichenmaße zusammen.
Spurmaß ist nicht Radsatzinnenmaß
Das Radsatzinnenmaß B misst den Abstand zwischen den inneren Radflächen. Das Spurmaß G wird dagegen zwischen den inneren Schienenkanten gemessen. Für H0 mit 16,5-mm-Spurweite nennt MOROP nach NEM 310 für B 14,4 bis 14,6 mm; NEM 110 führt für das Gleis einen Höchstwert von 16,8 mm auf. Verwechsle diese Zahlen nicht: Ein Radpaar lässt sich nicht auf 16,5 mm einstellen. Die NEM-Blätter gelten für aufeinander abgestimmte Systeme; bei Dreileiter- oder anderen Sondersystemen müssen deren Vorgaben gelten.
So prüfst du einen verdächtigen Radsatz
Nimm den Wagen vom Gleis und miss zwischen den inneren Radflächen, nicht an den Spurkranzspitzen. Prüfe beide Radsätze eines Drehgestells und – wenn auffällig – jeden Radsatz des Fahrzeugs. Eine passende Radsatzlehre ist für den Sollbereich zweckmäßiger als ein Lineal; ein Messschieber kann ergänzend helfen, wenn seine Messflächen sauber und rechtwinklig anliegen. Vergleiche den Wert mit dem Standard deiner Gleise. In H0 nach NEM 310 liegt B zwischen 14,4 und 14,6 mm. Auch das Leitmaß K – Innenmaß plus Spurkranzdicke – ist relevant: Die Grenzwerte für B und Spurkranzbreite lassen sich nicht unabhängig voneinander ausschöpfen. Weicht der Radsatz ab, stelle ihn nur mit geeignetem Werkzeug vorsichtig nach und miss erneut, bevor er zurück ins Fahrzeug kommt.
Wenn es am Herzstück passiert
Am Herzstück fehlt vorübergehend eine der beiden durchgehenden spurführenden Kanten. Radlenker und Flügelschiene übernehmen die Führung. Ist B zu klein, kann das Radpaar dort eingeklemmt werden; ist B zu groß oder der Spurkranz zu dick, kann der Spurkranz an der Herzstückspitze aufklettern. Deshalb ist nicht nur B ausschlaggebend: MOROP stimmt die Rad- und Weichenmaße als zusammengehörige Spurführungsmaße ab. Bei H0 nach NEM 110 sind für das Herzstück unter anderem C von 15,3 bis 15,5 mm sowie S von 14,0 bis 14,2 mm aufgeführt. Prüfe deshalb am betroffenen Herzstück auch Spurweite, Radlenkerabstand und Rillen auf sichtbare Schäden oder Fremdkörper.
Nachstellen, dann die Strecke erneut prüfen
Ein Einstellwerkzeug drückt die Räder zusammen oder auseinander, aber es ersetzt keine Messung. Kontrolliere nach dem Nachstellen das Innenmaß nochmals mit einer Lehre oder einem sorgfältig angesetzten Messschieber. Setze den Wagen auf ein kurzes, sauberes Prüfstück und fahre anschließend langsam durch die betroffene Weiche – in beiden Richtungen und mit dem Fahrzeug gedreht, sofern das praktisch möglich ist. Bleibt die Entgleisung bestehen, ändere nicht blind weitere Räder: Prüfe die Weiche und die angrenzenden Schienen auf lose Verbindungen, Verzug, Verschleiß oder ein verschmutztes Herzstück. Die Normwerte beschreiben ein Zusammenspiel mit Fertigungs- und Verschleißtoleranzen, keine Garantie, dass jede Kombination aus Fahrzeug und Gleis störungsfrei läuft.