RC-Panzer mit unabhängigen Kettenantrieben steuern
09.10.2026
Zwei getrennt geregelte Kettenmotoren machen den Panzer lenkbar, wenn Empfängerkanäle und Lenkmischer passend zusammenarbeiten. Dieser Leitfaden zeigt einen konkreten RadioLink-Aufbau, erklärt die nötigen Richtungskontrollen und grenzt ab, was vor dem Fahren zu prüfen ist.
Das Lenkprinzip: zwei Seiten statt Lenkservo
Ein Kettenfahrzeug lenkt nicht über ein schwenkbares Vorderrad. Für den hier beschriebenen Aufbau erhält jede Seite ihren eigenen Antrieb: Der Regler der linken Kette steckt auf einem Empfängerkanal, der Regler der rechten auf einem zweiten. Genau diese Grundanordnung verwendet RadioLink in seinem Beispiel mit einem zweimotorigen RC-Panzer und separaten ESCs ([RadioLink: Tank Mixing Setup](https://www.radiolink.com/en/how_to_configure_tank_mixing_on_AT9S_and_AT10II)). Der Vorteil: Die Funke kann die Geschwindigkeit der beiden Seiten unterschiedlich anfordern. Ob dein Modell tatsächlich zwei getrennte Regler hat, musst du vor der Programmierung anhand des Schaltplans oder der Anleitung des Fahrwerks feststellen; ein einzelner gemeinsamer Regler liefert nicht automatisch zwei unabhängig steuerbare Ausgänge.
Kanäle zuordnen und den Lenkmischer aufbauen
Im RadioLink-Beispiel liegt links CH1 und rechts CH2. Der Sender kombiniert anschließend beide Kanäle über zwei programmierbare Mischungen: einmal CH1 als Master mit CH2 als Slave, danach in Gegenrichtung CH2 als Master und CH1 als Slave. Das ist ein konkretes Rezept für AT9S/AT10II, keine universelle Menüreihenfolge. Die AT9S-Pro-Anleitung nennt vier lineare programmierbare Mischer, doch Namen, Kanalbelegung, Stickmodus und verfügbare Mixer unterscheiden sich je nach Funke ([AT9S Pro-Anleitung](https://www.radiolink.com/at9spro_manual)). Übertrage daher das Funktionsprinzip, nicht blind die genannten Menüpunkte oder Prozentwerte: ein Steuerbefehl soll beide Ketten gemeinsam ansprechen, der andere soll die Seiten gegeneinander verändern. Ein sogenannter Lenkmischer kann im Sender sitzen; manche Doppelregler mischen intern. Beides zugleich zu aktivieren kann die Steuerung unerwartet überlagern. Prüfe deshalb, ob ESC oder Sender den Mix bereitstellt, und schalte eine doppelte Mischung aus.
Richtung zuerst am Servomonitor prüfen
Bevor die Ketten auf dem Boden drehen, kontrolliere am Servomonitor, ob sich die Ausgangsbalken so bewegen wie beabsichtigt. RadioLink beschreibt als Funktionscheck, dass sich die beiden Kanäle bei einer Steuerbewegung gegensinnig bewegen; damit lässt sich erkennen, ob die Lenkkomponente des Mischers grundsätzlich am richtigen Ausgang ankommt. Bei der anschließenden Funktionsprobe sollte der Vorwärtsbefehl beide Seiten vorwärts laufen lassen. Ein Lenkeinschlag muss dagegen eine Seite langsamer machen oder rückwärts treiben, abhängig davon, wie scharf der Panzer wenden soll. Dreht bei Vorwärtsgas eine Kette rückwärts, ändere die Kanalumkehr oder die Motordrehrichtung nach Anleitung des Reglers und kontrolliere erneut. Ändere möglichst immer nur eine Einstellung auf einmal. Der Servomonitor zeigt das Sendersignal, nicht die tatsächliche Drehrichtung des Motors – diese muss separat geprüft werden.
Sicherer Ersttest und typische Fehler
RadioLink empfiehlt, Knüppel und Trimmung vor dem Einschalten auf die untere Stellung zu setzen. Für den Ersttest ist zusätzlich sinnvoll, das Fahrzeug so abzustützen, dass die Ketten frei laufen; halte Kleidung und Finger von Laufwerk und Zahnrädern fern. Prüfe erst die Neutralstellung und den Servomonitor, dann mit sehr wenig Gas jede Kette einzeln und zuletzt die gemischten Befehle. So lässt sich ein falsch herum laufender Motor von einer verkehrt herum programmierten Mischung unterscheiden. Typische Ursachen für ein Modell, das nur dreht oder auf Vorwärts nicht reagiert, sind vertauschte Kanäle, falscher Knüppelmodus, eine deaktivierte Mischung oder eine doppelte Mischung im ESC und Sender. Die RadioLink-Anleitung demonstriert ihre Einstellungen mit einem bestimmten Sender und PWM-Ausgängen; bei S.Bus, anderen Empfängern oder einer integrierten Panzersteuerung ist die Anschluss- und Menülogik nicht ohne Weiteres übertragbar.
Regler passend zum Motor wählen
Zwei ESC-Ausgänge bedeuten nicht, dass ein beliebiger Doppelregler zu jedem Fahrwerk passt. Als konkretes Beispiel listet Hobbywing den QuicRun WP 880 Dual Brushed mit 80 A und einem Eingangsbereich von 2–4S LiPo beziehungsweise 5–12 NiMH-Zellen. Diese Angaben gelten für dieses Produkt, nicht pauschal für andere Doppelregler oder für die Summe zweier einzelner Regler ([Hobbywing Produktübersicht](https://www.hobbywing.com/en/index.php/service?id=14&page=5)). Vergleiche die Stromaufnahme beider Motoren unter Last, die zulässige Spannung und die Kühlung mit dem jeweiligen Reglerhandbuch. Auch Steckertyp, BEC-Versorgung und Rückwärtsfunktion müssen zum Aufbau passen. Bei einem Modell mit hoher Kettenreibung kann die Last deutlich anders ausfallen als bei einem frei rollenden Fahrzeug; eine passende Stromreserve lässt sich deshalb nicht allein aus der Kanalzahl ableiten.