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RC-Schiff: Schwerpunkt und Freibord gemeinsam beurteilen

09.10.2026

Ein RC-Schiff kann aufrecht liegen und trotzdem zu wenig Reserve bis zur Deckskante haben. Schwerpunkt, Zuladung und Freibord gehören deshalb zusammen beurteilt: erst die fertige Beladung im Wasser prüfen, dann Komponenten gezielt verlagern und den Zustand erneut vergleichen.

Zwei Fragen statt einer

Bei der Abstimmung eines RC-Schiffs wird oft zuerst gefragt, ob der Schwerpunkt tief genug liegt. Das ist wichtig, aber nicht die ganze Prüfung. Der Schwerpunkt beschreibt, wo die Gewichtskraft angreift; das Freibord ist der sichtbare Abstand zwischen Wasserlinie und Deckskante beziehungsweise Arbeitsdeck. Ein Modell kann aufrecht schwimmen und dennoch so tief liegen, dass schon eine kleine Krängung Wasser über die Seite bringt. Die Maritime and Coastguard Agency nennt bei großen Schiffen einen zu hohen Schwerpunkt und zu wenig Freibord durch Überladung ausdrücklich als unterschiedliche Ursachen von Instabilität. Für ein Modell sind das keine direkt übertragbaren Grenzwerte, aber eine nützliche Denkregel: Stabilität und verbleibende Höhe bis zum Wassereintritt müssen gemeinsam stimmen. [Transport Canada: Sicherheitsmanual für kleine Fischereifahrzeuge](https://tc.canada.ca/en/marine-transportation/publications/tp-10038-small-fishing-vessel-safety-manual-2003); [MCA: Fishing vessel stability](https://www.gov.uk/guidance/fishing-vessel-stability)

Erst im fertigen Fahrzustand prüfen

Prüfen Sie nicht nur den leeren Rumpf. Setzen Sie Akku, Empfänger, Motor, Aufbauten und die vorgesehene Nutzlast an ihre endgültigen Plätze. Stellen Sie das Modell dann in ruhiges Wasser und betrachten Sie Wasserlinie sowie Abstand zur Deckskante rundum. Bleibt es deutlich aufrecht, aber sitzt auffällig tief, ist zusätzliches Ballastgewicht keine naheliegende Lösung: Mehr Gewicht kann das Freibord weiter verkleinern. Ist die Wasserlinie ausreichend, aber das Modell reagiert schon auf eine kleine seitliche Belastung mit deutlicher Neigung, prüfen Sie zuerst, ob schwere Teile unnötig hoch montiert sind. Ein Akku oder Ballast möglichst tief im Rumpf hilft eher als Gewicht auf dem Deck; das Handbuch von Transport Canada erläutert den Stabilitätsvorteil eines niedrigeren Schwerpunkts und den Nachteil hoch geladener Lasten. [Transport Canada](https://tc.canada.ca/en/marine-transportation/publications/tp-10038-small-fishing-vessel-safety-manual-2003)

Änderungen gezielt und in kleinen Schritten

Wenn der Schwerpunkt zu hoch liegt, verlagern Sie vorhandene Masse nach unten, statt unbesehen Masse hinzuzufügen. Bei einem Modell mit hohem Aufbau kann das beispielsweise bedeuten, Kabel, Akkuhalter oder schwere Elektronik tiefer anzuordnen, sofern Kühlung, Zugang und Wasserschutz nicht darunter leiden. Ändern Sie nur eine Sache auf einmal und vergleichen Sie nach jeder Änderung die Wasserlinie im gleichen Beladungszustand. Wird mehr Gewicht benötigt, um die vorgesehene Wasserlage zu erreichen, zählt dieses Gewicht zur Zuladung: Kontrollieren Sie, ob an Bug, Heck und Seite noch ausreichender Abstand bis zu Öffnungen oder einer ungeschützten Deckskante bleibt. Reservefreibord ist nicht dekorativer „Leerraum“, sondern eine Reserve, bevor Wasser eindringen kann. [MCA: Fishing vessel stability](https://www.gov.uk/guidance/fishing-vessel-stability); [Transport Canada](https://tc.canada.ca/en/marine-transportation/publications/tp-10038-small-fishing-vessel-safety-manual-2003)

Wasser im Modell ist bewegliche Masse

Eine undichte Luke, ein offenes Cockpit oder Wasser in einer breiten Bilge kann das Ergebnis während der Fahrt rasch verändern. Flüssigkeit in einem teilweise gefüllten Raum wandert beim Krängen zur tieferen Seite. Dadurch verlagert sich der Schwerpunkt seitlich; in der Fachsprache wird dieser Effekt als Verringerung der wirksamen metazentrischen Höhe beschrieben. Bei einem RC-Modell heißt das praktisch: Elektronikraum und Aufbauten gegen eindringendes Wasser sichern, Wasser nach dem Einsatz entfernen und keine offenen, quer durch den Rumpf reichenden Flüssigkeitsräume als harmlos ansehen. Das ist besonders wichtig, wenn das Modell mit wenig Freibord fährt. [MCA: Naval Architecture Written Examination Syllabus](https://www.gov.uk/government/publications/chief-engineer-written-examination-syllabuses/naval-architecture-written-examination-syllabus)

Was ein einfacher Schwimmtest nicht beweist

Ein ruhiger Schwimmtest zeigt die Wasserlage im getesteten Zustand; er beweist nicht, dass das Modell bei Fahrt, Kurven, Wellen oder einer plötzlichen Wasseraufnahme sicher bleibt. Die metazentrische Höhe ist ein Maß für das anfängliche Verhalten bei kleinen Krängungen, nicht allein eine vollständige Beschreibung der Stabilität bei großen Winkeln. Prüfen Sie deshalb auch die Rückkehr zur aufrechten Lage nach einer vorsichtigen, kleinen seitlichen Auslenkung und beobachten Sie, wie weit das Freibord dabei schrumpft. Vermeiden Sie absichtlich riskante Kenter- oder Flutungstests, wenn der Rumpf, die Elektronik oder der Einsatzort dafür nicht ausgelegt sind. Die MCA-Aussagen stammen aus Empfehlungen für bemannte Schiffe: Für RC-Modelle liefern sie physikalische Orientierung, aber keine Modellbau-Norm und keine garantierte Sicherheitsgrenze. [MCA: Naval Architecture Written Examination Syllabus](https://www.gov.uk/government/publications/chief-engineer-written-examination-syllabuses/naval-architecture-written-examination-syllabus); [MCA: Fishing vessel stability](https://www.gov.uk/guidance/fishing-vessel-stability)

Quellen

  1. Maritime and Coastguard Agency (GOV.UK)
  2. Transport Canada
  3. Maritime and Coastguard Agency (GOV.UK)