Risse an hohlen Resinmodellen nach dem Druck untersuchen
09.10.2026
Ein Riss am Hohlmodell ist ein Anlass, Druckfehler, eingeschlossene Flüssigkeit und Nachbearbeitung getrennt zu prüfen. Diese Anleitung führt vom Rissbild über die Innenreinigung bis zu konstruktiven Korrekturen für den nächsten Druck.
Erst das Rissbild einordnen
Ein sichtbarer Riss beweist für sich allein nicht, dass Harz im Inneren zurückgeblieben ist. Trennen Sie zunächst zwei Situationen: Entstand der Schaden schon im Druck, etwa als Aufreißen einer Hohlwand, oder fiel er erst beim Waschen, Aushärten oder später auf? Formlabs beschreibt ein Aufreißen durch Cupping als möglichen Druckfehler bei einem hohlen Modell ohne Drainage; Anycubic weist zugleich auf Risse nach dem Härten hin, wenn überschüssiges Harz im Hohlraum bleibt. Das sind unterschiedliche Prüfrichtungen, keine sichere Ferndiagnose. [Formlabs: Druckfehler](https://formlabs.com/support/Print-Defects/) und [Anycubic: Photon-Workshop-Werkzeuge](https://store.anycubic.com/blogs/3d-printing-guides/introduction-to-7-tools-in-anycubic-photon-workshop) Notieren Sie deshalb, wann der Riss erstmals sichtbar wurde, und fotografieren Sie ihn vor jeder Reparatur. Ein sauberer, durchgehender Bruch und eine lokal aufgeplatzte oder fehlende Wand sind zunächst nur Beobachtungen; sie ersetzen weder die Prüfung des Slicers noch die Innenkontrolle.
Hohlraum, Abfluss und Harzrückstände prüfen
Untersuchen Sie das Modell gedanklich als getrennte Hohlraumtaschen, nicht bloß als eine einzige Schale. Jede abgeschlossene Tasche braucht einen tatsächlich offenen Weg zum Ablaufen und Spülen. Prusa empfiehlt mindestens zwei Ablauflöcher, damit ungehärtetes Harz nicht im fertigen Druck eingeschlossen bleibt. Ein vorhandenes Loch hilft wenig, wenn es durch eine Stütze, eine dünne Öffnung oder eine abgetrennte Kammer nicht mit dem betreffenden Innenraum verbunden ist. Im Slicer lohnt ein Schnitt durch das Modell: Ist die Innenhaut überall vorhanden? Gibt es enge Sackgassen oder scharf konkave Ecken? Prusa weist darauf hin, dass die eingestellte Schließdistanz schmale Hohlräume unterdrücken kann und zähflüssiges Harz aus scharfen Innenecken schwer zu entfernen ist. Die angezeigte Hohlung daher nicht ungeprüft als fertige, frei entwässernde Geometrie behandeln. [Prusa: Hollowing](https://help.prusa3d.com/article/hollowing_117285?product=sl1s-speed)
Sicher reinigen, bevor Sie nachhärten
Hohlräume können Lösungsmittel, Luft und flüssiges Harz festhalten. Wenn das Modell noch ungeöffnet und ungewaschen ist, lassen Sie die Flüssigkeit zuerst kontrolliert in ein geeignetes Auffanggefäß ablaufen; tragen Sie dabei die für Harz und Reiniger vorgesehenen Schutzhandschuhe und beachten Sie deren Sicherheitsdatenblätter. Nicht schütteln oder ausblasen, sodass Spritzer entstehen. Spülen Sie über die vorhandenen Löcher mit frischem, für das Material geeigneten Reiniger und wechseln Sie die Lage des Modells, damit verschiedene Tiefpunkte zum Ablauf werden. Formlabs beschreibt, dass Drainagelöcher Reiniger an innere Flächen bringen; für schmale Kanäle nennt die Anleitung eine Spritze mit sauberem Lösungsmittel. Lassen Sie die Flüssigkeit wieder vollständig ablaufen und prüfen Sie, ob weiterhin Harz austritt. Die konkrete Wasch- und Trocknungszeit hängt von Material und Herstelleranleitung ab. [Formlabs: Waschen von Drucken](https://formlabs.com/support/Washing-Prints/)
Den Riss und das Innere inspizieren
Nach dem Ablaufen und Reinigen prüfen Sie die Risszone mit gutem Licht und, sofern das Material es zulässt, durch die Öffnungen. Achten Sie auf klebrige Stellen, glänzende Flüssigkeit, Verfärbungen oder wieder austretende Tropfen. Das sind praktische Warnzeichen für unvollständige Reinigung, aber kein chemischer Nachweis, dass die gesamte Innenfläche sauber ist. Ein geschlossenes oder verwinkeltes Modell lässt sich von außen nur begrenzt beurteilen. Tritt beim Spülen weiterhin Harz aus, härten Sie das Teil nicht einfach mit dem Rückstand im Inneren nach. Halten Sie die Flüssigkeit getrennt auf und reinigen Sie erneut, sofern der Werkstoff und die Anleitung das erlauben. Bleibt die Kammer unerreichbar, ist Öffnen oder Verwerfen unter Umständen die bessere Option als ein kosmetisches Überdecken. Anycubic verknüpft überschüssiges Harz im Innenraum mit möglicher Rissbildung nach dem Härten; daraus folgt aber nicht, dass jeder Riss diese Ursache hat.
Druckfehler von Nachbearbeitungsschäden unterscheiden
Wenn der Riss bereits beim Druck auftrat, kontrollieren Sie in der Druckdatei, ob die Hohlräume zur Bauplattform hin entlastet werden und ob die Ausrichtung eine eingeschlossene, schalenartige Fläche erzeugt. Formlabs empfiehlt bei Hohlräumen Drainage beziehungsweise eine geänderte Orientierung, um Cupping-Probleme zu vermeiden. Anycubic nennt Löcher an der Unterseite als Hilfe zum Druckausgleich beim Ablösen vom Tank. Diese Hinweise betreffen Druckgeometrie und Ablösung, nicht die spätere Reinigung allein. Ist das Teil erst nach dem Druck gerissen, prüfen Sie zusätzlich Reinigung und Aushärtung sowie den Zeitpunkt des Schadens. Notieren Sie Harztyp, Orientierung und Lochpositionen für einen Vergleich beim nächsten Druck, ohne eine einzelne Ursache vorab festzulegen.
Für den nächsten Hohldruck verbessern
Planen Sie Abflussöffnungen für jede Hohlraumtasche und setzen Sie sie so, dass beim Waschen sowohl Flüssigkeit hinein als auch wieder heraus kann. Zwei Öffnungen sind ein sinnvoller Ausgangspunkt laut Prusa, aber ihre Anzahl ersetzt keine Prüfung der tatsächlichen Innengeometrie. Bei langen Kanälen braucht es unter Umständen gezieltes Spülen; Formlabs rät, enge Kanäle mit sauberem Lösungsmittel aus einer Spritze zu reinigen. Kontrollieren Sie den ausgehöhlten Schnitt im Slicer und wählen Sie eine Ausrichtung, bei der Tiefpunkte entwässerbar bleiben. Erst wenn die Hülle intakt, die Innenräume zugänglich und die Flüssigkeit abgelaufen sind, folgen Trocknung und materialgerechte Nachhärtung. Die Öffnungen erst danach verschließen, falls das Modell dauerhaft geschlossen sein soll. Das ist eine Arbeitsreihenfolge, keine Garantie gegen jeden Riss: Material, Wandgeometrie, Druckparameter und unzugängliche Hohlräume bleiben Grenzen der Ferndiagnose.