Schleifmittelkörnungen für Modellbauarbeiten einordnen
08.10.2026
Die Zahl auf dem Schleifmittel ist ein Orientierungspunkt, keine universelle Finish-Garantie. Wer Material, Ausgangsfläche und Folgeschicht berücksichtigt, kann die Körnung passend wählen und grobe Schleifspuren gezielt verfeinern.
Was die Körnungszahl aussagt – und was nicht
Auf Schleifpapier und Schleifvlies begegnet dir oft eine Kennzeichnung wie P240 oder P800. Das vorangestellte P steht bei FEPA für Körnungen beschichteter Schleifmittel. Es ist nicht beliebig mit jedem anderen Zahlensystem gleichzusetzen: FEPA unterscheidet etwa beschichtete Schleifmittel mit P-Körnungen von gebundenen Schleifmitteln mit F-Körnungen. Auch innerhalb der FEPA-Angabe ist die Zahl kein präziser Durchmesser eines einzelnen Korns. Für Makrokörnungen wird ein mittlerer Korndurchmesser als Bereich festgelegt. Die Kennzeichnung taugt deshalb zum Einordnen und Vergleichen passender Produkte, verspricht aber für sich allein keine identische Oberfläche.
Von grob nach fein: ein Arbeitsziel statt Zahlenmagie
Grob trägt Material zügig ab und ebnet Kanten oder Grate; feinere Stufen dienen dazu, die vorherigen Schleifspuren schrittweise zu verkleinern. Mirka ordnet P100–P220 dem Schleifen vor einer Beschichtung zu, P220–P500 dem Zwischenschliff und P600–P1200 dem Vorschliff vor dem Polieren. Das sind Orientierungskategorien aus einer Anleitung für Bandschleifen, keine verbindliche Modellbau-Tabelle. Für ein kleines Bauteil wäre es oft unnötig, jede erhältliche Stufe zu durchlaufen: Wähle so viele Zwischenschritte, dass die Kratzer der vorherigen Stufe verschwinden, bevor du weiter verfeinerst. Auch Mirka rät davon ab, feiner als nötig zu schleifen.
Startkörnung nach Bauteil und Oberfläche bestimmen
Beginne nicht automatisch mit der kleinsten Zahl in der Schublade. Prüfe erst, was tatsächlich weg muss: ein Angussrest, eine Klebenaht, ein Kratzer oder nur ein leichter Grat. Je stärker die Unebenheit, desto gröber kann der sinnvolle Einstieg sein; bei einer bereits glatten Fläche ist ein feinerer Start naheliegender. Das ist besonders bei dünnen Kunststoffteilen hilfreich: Ein zu grobes Schleifmittel kann Details rasch abrunden. Die konkrete Mirka-Profilanleitung nennt P150 als Start und P320 als Zwischenschliff für ein bestimmtes Beschichtungssystem. Sie empfiehlt außerdem, bei gröberen Körnungen als P240 zwischen den Schleifschritten zu beschichten. Übertrage diese Zahlen nicht ungeprüft auf jedes Modellbauplastik, jede Grundierung oder jeden Lack – Herstellerangaben der jeweiligen Beschichtung haben Vorrang.
Beispiel: eine Klebenaht vor dem Lackieren verfeinern
Bei einer trockenen, verschliffenen Naht an einem Kunststoffrumpf ist ein pragmatischer Ablauf: erst die Naht so weit egalisieren, dass keine Stufe bleibt; anschließend mit einer oder mehreren feineren Stufen die groben Riefen entfernen. Reinige den Staub und prüfe die Fläche bei schrägem Licht. Wenn du eine geeignete Kontrollschicht verwendest, zeigt sie verbliebene tiefe Schleifspuren, statt dass du dich nur auf den Glanz der Fläche verlässt. 3M setzt in seinem Fahrzeuglack-Arbeitsablauf trockenes Kontrollpulver ein, um Kratzer sichtbar zu machen. Das Prinzip der Sichtkontrolle lässt sich übertragen; die im Fahrzeuglackablauf genannten konkreten Körnungen sind jedoch keine automatisch passende Vorgabe für ein Modell.
Fehlerquellen und Grenzen
Ein Sprung zu einer sehr feinen Körnung kann Zeit kosten, ohne tiefe Riefen sicher zu beseitigen. Kontrolliere daher nach jedem Wechsel, ob die vorherigen Kratzer tatsächlich verschwunden sind. Bleiben sie sichtbar, geh zurück zur vorherigen Stufe oder schleife gezielt weiter; bloßes Polieren kaschiert nicht zuverlässig eine schlecht vorbereitete Fläche. Andererseits kann zu langes Schleifen Details und scharfe Kanten zerstören. Körnungsangaben verschiedener Schleifmitteltypen, Hersteller und Arbeitsweisen sind nur mit Vorsicht vergleichbar; auch Untergrund, Kornmaterial, Druck und Schleifbewegung beeinflussen das Ergebnis. Baue deine Reihenfolge deshalb an einem Reststück oder einer unauffälligen Stelle auf und folge den Vorgaben für Primer und Lack.