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Segelprofil am RC-Segelboot: Vorliek und Unterliek gezielt formen

09.10.2026

Vorliek und Unterliek beeinflussen unterschiedliche Bereiche des Segelprofils. Eine schrittweise Einstellung hilft, Änderungen sauber zu erkennen; wie weit sie wirken, hängt vom Rigg und Boot ab.

Zwei Kanten, zwei verschiedene Stellschrauben

Am Großsegel eines RC-Boots lohnt es sich, Vorliek und Unterliek nicht als eine gemeinsame „Segelspannung“ zu betrachten. Das Vorliek ist die vordere Kante am Mast; seine Spannung beeinflusst, wo der größte Bauch im Segel liegt. Mehr Zug am Vorliek verlagert diesen Bereich nach vorn. Das Unterliek verläuft vom Mastfußbereich zum Schothorn am Baum. Mehr Zug entlang dieser unteren Kante flacht das Segel ab und nimmt ihm Tiefe. Es sind also unterschiedliche Wirkungen: Vorliekspannung verändert vor allem die Lage des Profils, Unterliekspannung dessen Tiefe.

Erst den Ist-Zustand sichtbar machen

Vor dem Verstellen das Boot an Land ruhig aufriggen und das Segel ohne starke Schotspannung betrachten. Merke dir die aktuelle Stellung der Einsteller oder markiere sie mit einem ablösbaren Stift. Schau seitlich auf das Segel: Wo liegt die stärkste Wölbung? Ist die Tiefe übermäßig ausgeprägt oder wirkt das Tuch nahezu flach? Fotografiere die Ausgangslage möglichst immer aus derselben Perspektive. Das ist keine Messung des optimalen Profils, sondern eine einfache Vergleichsbasis, damit nach einem Probesegeln klar bleibt, welche Änderung etwas bewirkt hat.

Vorliek: Lage des Segelbauchs beeinflussen

Stelle zunächst das Vorliek ein, sofern dein Modell dafür eine eigene Möglichkeit bietet – etwa eine verstellbare Liekleine oder einen Niederholer. Ziehe nur so weit, dass die gewünschte Form entsteht, und achte darauf, dass Mast, Segelbefestigung und Beschläge nicht sichtbar überlastet werden. Der nützliche Vergleich ist nicht „straff ist besser“, sondern: Sitzt der Bauch nach der Änderung weiter vorn oder hinten? Wenn du zugleich Unterliek und Schot veränderst, lässt sich dieser Effekt nicht mehr sauber zuordnen. Viele einfache RC-Riggs haben keine getrennte, fein dosierbare Vorliekverstellung; dann ist diese Einstellung nur über die vorhandene Konstruktion möglich, nicht durch Kraft am Tuch.

Unterliek: Tiefe passend zum Wind wählen

Das Unterliek lässt sich an vielen Modellen über den Abstand des Schothorns zum Baum oder über einen Outhaul verstellen. Mehr Zug macht den unteren Segelbereich flacher; weniger Zug lässt mehr Kurve stehen. Als Orientierung nennt die RC-Laser-Klassenvereinigung für leichten Wind mehr Unterliekskurve und für stärkeren Wind wenig Kurve. Das ist eine klassenspezifische Empfehlung, keine universelle Sollstellung für jedes Modell. Beginne auf dem Wasser mit einer kleinen Veränderung und fahre denselben Kurs in vergleichbarem Wind. Beobachte, ob das Boot besser Fahrt aufnimmt und ausgewogen bleibt, statt aus einer einzigen Böe ein Urteil abzuleiten.

Ein kontrollierter Einstellablauf

Praktisch funktioniert ein einfacher Ablauf: zuerst das Rigg wie üblich aufbauen, dann Vorliekspannung festlegen und diese Einstellung nicht mehr anfassen. Anschließend nur den Unterliekszug in kleinen Schritten verändern. Fahre jeweils eine kurze Gerade auf einem ähnlichen Kurs und notiere die Stellung sowie den Eindruck am Boot. Danach kannst du zurück zur Ausgangslage gehen und vergleichen. Der IOM-Leitfaden der britischen Modellsegelvereinigung empfiehlt ausdrücklich, Richtwerte als Startpunkt zu nutzen und verschiedene Einstellungen selbst zu erproben. Das ist bei RC-Booten besonders sinnvoll, weil Segelstoff, Mastbiegung, Baumgeometrie und Stellweg von Modell zu Modell verschieden sind.

Grenzen erkennen statt Spannung erzwingen

Die beiden Kanten wirken nicht isoliert: Mastbiegung, Achterliek, Baumwinkel und Schot können den sichtbaren Eindruck ebenfalls verändern. Eine flache Unterkante bedeutet daher nicht automatisch, dass das Gesamtsegel passend eingestellt ist. Wenn sich bei mehr Zug das Tuch verzieht, der Mast deutlich biegt oder Beschläge schwergängig werden, gehe zurück und prüfe die Konstruktion, statt weiter anzuziehen. Notiere dir bewährte Einstellungen für dein Boot und deinen typischen Windbereich; übertrage sie nicht ungeprüft auf ein anderes Rig. Gerade bei seriennahen Booten ist die vorhandene Einstellmöglichkeit oft wichtiger als ein theoretisch ideales Profil.

Quellen

  1. RC Laser Class Association of North America
  2. UK Sailmakers
  3. Model Yachting Association (UK)