Thermik kreisen, ohne den RC-Segler ständig zu übersteuern
09.10.2026
Ruhiges Thermikkreisen beginnt mit einem sauberen Einflug und endet nicht mit dem Knüppel in Neutralstellung: Beobachte die Kurve, dosiere Ruder und Querruder passend und korrigiere nur, was das Modell tatsächlich zeigt.
Erst beobachten, dann einkreisen
Ein Modell, das nach einem Nickimpuls kurz steigt, hat damit noch keinen Aufwind bewiesen: Geschwindigkeit kann in einen Steigflug umgesetzt worden sein. Achte deshalb auf eine anhaltende Reaktion, bevor du die Kurve einleitest. Das Radian-Handbuch nennt als brauchbares Anfangsmanöver einen moderaten Kreis und empfiehlt, die beiden Seiten der Kreisbahn miteinander zu vergleichen: Sinkt der Segler auf der einen Seite und trägt die andere besser, liegt der Kern vermutlich versetzt. Das ist zunächst eine Suchinformation, keine Aufforderung zu hektischen Gegenbewegungen. Plane den Einflug als Folge kleiner, klarer Schritte: gewünschte Richtung wählen, sanft in die Schräglage rollen und dann die Kurve beobachten. Kleine Veränderungen sind leichter zu beurteilen als mehrere schnelle Knüppelstöße hintereinander. Gerade am Boden fehlt dir das unmittelbare Gefühl für die tatsächliche Steuerauslenkung; das macht es sinnvoll, den Impuls kurz zu halten und dem Modell einen Moment zur Reaktion zu lassen.
Die Kurve halten, nicht dauernd neu starten
Nach dem Einrollen ist die Arbeit nicht automatisch getan: Eine Rückkehr des Querruderknüppels zur Mitte bedeutet nicht zwingend, dass der Segler schon geradeaus fliegt. Im Kreis zählt, ob die Schräglage stabil bleibt und die Nase nicht sichtbar seitlich aus der Bahn zeigt. Vermeide es, die Kurve mit dauernden wechselseitigen Ausschlägen zu „retten“; korrigiere nur in kleinen Schritten, wenn der beobachtete Verlauf es verlangt. Bei einem Querrudersegler hilft das Seitenruder, unerwünschtes Schieben zu verringern. Die nötige Kombination ist aber nicht einfach eine immer gleiche proportionale Kopplung. In einer langsamen, engen Kurve kann die passende Ruderstellung sogar anders ausfallen, als eine starre Mischung erwarten lässt. Das Ziel ist nicht, eine bestimmte Knüppelstellung zu reproduzieren, sondern den Kurvenflug sauber zu halten, ohne unnötige Seitenbewegung einzuleiten.
Querruder, Seitenruder und Höhe dosieren
Vermeide Rezepte wie „immer gleich viel Seitenruder wie Querruder“: Sie bilden nicht zuverlässig ab, was dein konkreter Segler bei dieser Geschwindigkeit und Schräglage braucht. In der langsamen Thermikkurve kann aktives Seitenrudern nötig sein, während ein schnellerer Geradeausflug weniger davon verlangt. Querruder-Ruder-Mischung kann Arbeit abnehmen, ersetzt aber nicht die Beobachtung im Flug. Auch das Modellkonzept zählt. Manche Thermiksegler werden nur mit Motor, Seiten- und Höhenruder gesteuert; für sie lautet die praktische Aufgabe, die Kurve mit den tatsächlich vorhandenen Funktionen ruhig einzuleiten und ihre Stabilität zu beobachten. Beim Höhenruder gilt: nicht reflexartig ziehen, nur weil der Segler schräg liegt. Achte auf Fahrt und Flugbahn und gib nur so viel Korrektur, wie die Situation verlangt. Zu große, anhaltende Eingaben erschweren dir die Beurteilung, welche Steuerfunktion die Reaktion ausgelöst hat.
Den Aufwind in kleinen Schritten zentrieren
Nutze die Runde als Messstrecke: Merk dir, an welcher Stelle das Modell besser trägt und wo es wieder absinkt. Verschiebe den Kreis anschließend schrittweise in Richtung der tragenden Seite, statt die Kurve abrupt immer enger zu ziehen. Nach jeder kleinen Änderung kannst du die nächste Runde mit der vorherigen vergleichen. Wenn sich das Steigen rundherum verbessert, halte den Kreis zunächst konstant; wird eine Seite wieder deutlich schlechter, versetze ihn erneut vorsichtig. Das im Radian-Handbuch beschriebene Muster – auf einer Kreisseite absinken, auf der anderen getragen werden – hilft beim Erkennen einer Randzone. Es ist kein universeller Sensor: Turbulenz, Modellreaktion und wechselnde Bedingungen können die Beobachtung uneindeutig machen. Verlasse dich deshalb auf mehrere gleichartige Beobachtungen und nicht auf einen einzelnen kurzen Wackler.
Eine Übung für weniger Übersteuern
Übe zuerst in sicherer Höhe mit einem stabilen, geraden Gleitflug: Leite einen weiten Kreis ein, halte die Bewegung bewusst ruhig und zähle gedanklich einen Moment, bevor du nachkorrigierst. Beobachte dabei drei Dinge getrennt: Schräglage, Flugbahn und seitliches Versetzen. Ändere pro Runde nur eine Steuergröße, damit du erkennst, was sie bewirkt. Wird der Kreis zu eng oder unruhig, löse ihn kontrolliert auf und beginne neu, statt eine Serie großer Gegenbefehle zu setzen. Die richtige Dosierung bleibt modellabhängig. Mark Drela betont, dass Rudereinsatz mit der Geschwindigkeit variiert und der erforderliche Ausschlag aus dem beobachteten Schieben und der Kurvenhaltung gelernt werden muss. Übernimm daher weder Zahlen aus einem anderen Segler noch eine feste Mischrate blind. Wenn du unsicher bist, lass Einstellungen und Flugverhalten von einer erfahrenen Modellpilotin oder einem Modellpiloten prüfen; technische Grundeinstellung und sicheres Fliegen gehen vor dem Zentrieren eines Aufwinds.