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Wanten am Modell mit gleichmäßiger Spannung einziehen

09.10.2026

Gleichmäßige Wantenspannung entsteht nicht durch das möglichst feste Anziehen einer einzelnen Leine. Wer die Wanten abwechselnd auf beiden Seiten setzt und den Spannweg der Beschläge berücksichtigt, hält das Schiffsrigg besser in seiner vorgesehenen Lage.

Gleichmäßig heißt: den Mast in Lage halten

Beim Einziehen der Wanten geht es nicht darum, jede Leine mit maximaler Kraft anzuziehen. Entscheidend ist, dass die seitlichen Kräfte den Mast nicht aus seiner vorgesehenen Stellung ziehen. Die Montageanleitung von [Artesanía Latina](https://artesanialatina.net/en/blog/uncategorized/ship-model-rigging-assemble-of-a-wooden-boat-model-v) beschreibt die Want als Spannleine, die den Mast gerade hält. Das ist das passende Leitbild für die Arbeit: Die Wantenspannung muss zur Maststellung passen. „Gleichmäßig“ bedeutet hier vor allem, dass gegenüberliegende Seiten den Mast nicht sichtbar zu einer Seite ziehen und keine einzelne Want schlaff durchhängt. Eine exakt gleiche Zugkraft an jeder Leine ist am fertigen Modell normalerweise weder messbar noch nötig; maßgeblich sind ein gerader Mast und ein plausibel gespanntes Rigg.

Wanten paarweise und abwechselnd einziehen

Arbeite an einem Mast nicht alle Wanten auf nur einer Seite nacheinander fertig. Setze zunächst eine Want auf einer Seite an, dann die entsprechende auf der Gegenseite; fahre in kleinen Schritten fort und prüfe nach jedem Paar die Mastachse. Artesanía Latina empfiehlt, die Wanten einzeln und abwechselnd auf beiden Schiffsseiten zu montieren, weil der Mast sonst seine senkrechte Stellung verlieren kann. [Die Anleitung](https://artesanialatina.net/en/blog/uncategorized/ship-model-rigging-assemble-of-a-wooden-boat-model-v) bezieht dies ausdrücklich auf die Montage eines Schiffsmodells. Praktisch heißt das: erst die Leinen positionieren und nur so weit anziehen, dass sie nicht mehr lose hängen. Dann den gegenüberliegenden Zug ausgleichen. Wiederhole den Wechsel, statt eine Want endgültig straffzuziehen, während die andere Seite noch lose ist. So bleibt Raum, die Maststellung zu korrigieren, bevor Klebstoff oder feste Knoten die Einstellung erschweren.

Spannung in kleinen Korrekturen aufbauen

Ziehe die Taljereeps oder Modellspanner schrittweise nach. Nach jedem kleinen Zug kontrollierst du den Mast von vorn und achtern; bei mehreren Wantpaaren zusätzlich die Flucht der Wanten. Eine hilfreiche Arbeitsreihenfolge ist: Paar anziehen, Mast prüfen, Gegenseite nachführen, erneut prüfen. Für maßstäbliche Modellwanten nennen die herangezogenen Quellen keine allgemeingültige Zugkraft, daher wäre ein fester Zahlenwert irreführend. Lässt sich eine Want bereits straff ziehen, obwohl der Mast noch nicht mittig steht, nimm an der Gegenseite nicht einfach mit Gewalt mehr Zug auf. Löse etwas Spannung, prüfe die Führung der Leine und gleiche die Seiten neu ab. Das Australian National Maritime Museum weist in seinem Bericht über die Erneuerung des echten Endeavour-Riggs darauf hin, dass zu dicht stehende Jungfern den möglichen Spannweg begrenzen. [Der Museumsbericht](https://www.sea.museum/en/aboard-endeavour/rigging-project) betrifft ein großes Schiff, nicht ein Modell; das übertragbare Prinzip ist, dass ein Spannbeschlag Arbeitsraum braucht.

Jungfern, Taljereeps und Beschlagwahl

Bei einem historischen Segelschiffmodell wird die Spannung häufig über das Taljereep zwischen den Jungfern eingestellt; andere Vorbilder verwenden Wantenspanner. Ein [Modellquerschnitt bei Royal Museums Greenwich](https://www.rmg.co.uk/collections/objects/rmgc-object-68412) dokumentiert beide Beschlagarten: hölzerne Jungfern mit Taljereeps und eine spätere Ausführung mit eisernen Spannern. Das Beschlagbild richtet sich nach Vorbild und Bauplan; beim Einziehen bleibt der Grundgedanke gleich: Zug kontrolliert aufbauen und den möglichen Nachstellweg nicht vorzeitig verbrauchen. Bevor du endgültig fixierst, kontrolliere die Mastachse aus mindestens zwei Blickrichtungen. Die Wanten sollen als Gruppe gleichmäßig wirken; kleine Unterschiede lassen sich durch vorsichtiges Nachstellen ausgleichen. Prüfe außerdem, ob keine Leine lose hängt und der Mast weiterhin senkrecht steht. Ratleinen kommen erst nach dieser Grundausrichtung an die Reihe, damit sie die Korrektur nicht erschweren.

Reihenfolge des übrigen stehenden Riggs

Bei mehreren Masten die Ausrichtung jeweils prüfen, bevor du den nächsten Arbeitsgang festsetzt. Die Artesanía-Latina-Anleitung beschreibt für ihr Modellbeispiel Stagen, die zum Bugspriet laufen. [Der Ablauf](https://artesanialatina.net/en/blog/uncategorized/ship-model-rigging-assemble-of-a-wooden-boat-model-v) ist kein universeller Takelplan – das konkrete Vorbild und der Bauplan entscheiden über Verlauf und Anschlag. Als Arbeitsregel lohnt es sich, zuerst die tragenden Leinen so einzustellen, dass die Masten stabil und ausgerichtet bleiben, und erst danach die feineren Verbindungen anzubringen. Das Endergebnis soll nicht wie gespannte Gitarrensaiten wirken: Ein maßstäbliches Schiffsrigg braucht eine saubere, ruhige Linie, aber das Modell sollte weder durch übermäßigen Zug verzogen werden noch einen Mast zeigen, der sichtbar aus dem Lot gerät.

Quellen

  1. Australian National Maritime Museum
  2. Royal Museums Greenwich
  3. Artesanía Latina